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Ein Geben und Nehmen: So entsteht eine Givebox

  • Eine Givebox ist ein wetterfestes Regal, ein begehbarer Schrank oder ein kleiner Container.
  • Sie steht an einem öffentlich zugänglichen Ort und bietet Passanten und Nachbarn die Möglichkeit, auf einfache Weise Dinge zu tauschen und zu verschenken.
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Das Prinzip Givebox bedeutet bedingungsloses Geben und Nehmen: Dinge, die man selbst nicht mehr braucht, werden anonym an andere abgegeben, die sie benötigen und weiter nutzen. Das können zum Beispiel ausgelesene Bücher sein, Spielwaren, Kleidungsstücke oder das Topf-Set aus dem Keller.

Durch das Tauschen und Teilen wird die Lebensdauer vieler Alltagsgegenstände verlängert und dadurch ein Beitrag zu Müllvermeidung und Ressourcenschonung geleistet.

Gleichgesinnte und Mitstreiter finden

Grafik: gemeinsam viel bewegenJede und jeder kann - als Einzelperson oder in einer Gemeinschaft - die Initiative für eine Givebox ergreifen. In einer Gruppe ist es leichter, weil sich die anfallenden Aufgaben auf mehrere Personen verteilen lassen. So fördert das „Projekt Givebox“ auch den Zusammenhalt.

Um erfolgreich zu sein, braucht die Givebox zudem eine breite Akzeptanz. Es ist daher wichtig, möglichst frühzeitig Anwohner und Nachbarn über die Idee zu informieren und diese bei den Planungen einzubeziehen.

Tipp: In einem zwei- bis vierköpfiges Kernteam können die verschiedenen Aufgaben nach individuellen Erfahrungen oder Interessen verteilt werden. Dazu gehören:

  • Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung
  • Finanzierung und Sponsoring
  • Planung und Aufbau des eigentlichen Tauschschranks
  • Finden von„Givebox-Paten“, die sich regelmäßig um die Givebox und deren Inhalte kümmern.

Checkliste: Wie lassen sich Gleichgesinnte finden?

  1. Am einfachsten ist es, die Idee zunächst im eigenen Freundes- und Bekanntenkreiskreis zu verbreiten.
  2. Durch einen Aushang am Schwarzen Brett, zum Beispiel im Nachbarschaftszentrum, Kindergarten oder örtlichen Supermarkt, werden Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft angesprochen und vielleicht zum Mitmachen motiviert.
  3. Bereits bestehende Nachbarschafts- oder Stadteilinitiativen sind gute Anlaufstellen, um das Tauschen, Teilen und Schenken über eine Givebox zu fördern und interessierte Mitstreiter zu finden. Darüber hinaus können solche Gruppen gegebenenfalls auch bei Fragen und Unklarheiten zu Rate stehen. Und sie sind bereits organisiert und vernetzt und damit gut geeignet, die Idee einer Givebox zu verbreiten.
  4. Nachhaltigkeits- und Givebox-Initiativen in ganz NRW finden Sie auf der landesweiten Initiativenkarte. Klicken Sie sich durch, erfahren Sie von guten Beispielen und nehmen Sie Kontakt auf.

Partner gewinnen und Finanzierung klären

Grafik: GeldKooperationspartner und Förderer können gegebenenfalls Flächen für die Platzierung einer Givebox zur Verfügung stellen oder als ideelle und finanzielle Unterstützer fungieren. Dies kann zum Beispiel der Baumarkt vor Ort sein, der das Vorhaben mit einer Materialspende unterstützt, oder karitative und kirchliche Organisationen, die ihre Grundstücke zur Verfügung stellen.

Auch Vereine und Organisationen aus dem Bereich Umwelt- und Ressourcenschutz oder bürgerschaftlichem Engagement sowie bereits bestehende  Nachbarschaftsinitiativen sowie die Stadt können helfen, eine Givebox zu realisieren. 

Praxisbeispiel: In Herne entsteht gerade eine größere Givebox

Die Initiative hierfür ist aus dem Projekt „Nachhaltigkeit nimmt Quartier“ entstanden. Für die ersten Planungen hat sich eine kleine Gruppe an Interessierten zusammengefunden, die die Idee vorantreibt. Für die Umsetzung kooperiert diese Gruppe mit der Stiftung Bethel, die zurzeit ein Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung in direkter Nähe zum angedachten Standort der Givebox aufbaut.

Verantwortliche von Bethel wurden frühzeitig in die Planungen für die Givebox eingebunden. Schon die bauliche Entwicklung läuft Hand in Hand.

Da die Stiftung Bethel mit vielen Menschen vor Ort ist, kann sichergestellt werden, dass sich regelmäßig jemand um die Givebox kümmert und zum Beispiel nötige Aufräumarbeiten übernimmt. Auch der erforderliche Bauantrag kann über die Stiftung gestellt werden; die Haftpflichtversicherung für das Projekt Givebox soll ebenfalls über die Stiftung laufen.

Tipps für die Finanzierung

Beim Bau einer Givebox fallen Kosten an. Diese können je nach Bauweise, Material und Größe stark variieren. Je sicherer und stabiler die Givebox, desto teurer ist sie. Dennoch ist es sinnvoll, auf langlebiges Material und eine solide Bauweise zu achten; nur so kann die geforderte „Verkehrssicherheitspflicht“ eingehalten werden und die Givebox möglichst langfristig und sicher aufgestellt werden.

Darüber hinaus motiviert eine robuste und hübsch gestaltete Givebox eher zum Tauschen und Teilen.

  • Sprechen Sie örtliche Unternehmen, Stiftungen und Verbände an, die bürgerschaftliches Engagement und Ressourcenschonung fördern wollen. Diese sind eventuell bereit, bei den Materialkosten zu helfen. Außerdem lohnt es sich, bei der Stadtverwaltung anzufragen, ob Gelder für Nachbarschaftsprojekte zur Verfügung stehen.
  • Auch Baumärkte in der Umgebung können kontaktiert werden mit der Frage, ob sie mit einer Materialspende den Aufbau einer Givebox unterstützen würden.
  • Eine weitere Möglichkeit ist sogenanntes Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“). Eine Crowdfunding-Kampagne zielt auf das Erreichen einer angestrebten Fördersumme ab. Damit sie gelingt, muss Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden – zum Beispiel über Soziale Netzwerke. Dadurch wird das Projekt gleichzeitig bekannt und mögliche Unterstützer und Helfer werden auf die Idee aufmerksam.

Praxisbeispiel BonnBox

Für die Materialkosten der Givebox, eine Aufwandsentschädigung für den Schreiner und eine Rücklage für Reparaturen und Ersatzteile haben die Initiatoren der BonnBox eine Crowdfunding-Kampagne über eine der zahlreichen bestehenden Crowdfunding-Plattform im Internet gestartet. Durch die Kampagne kam innerhalb weniger Wochen die erforderliche Summe von knapp 500 Euro zusammen.

Standort finden und Versicherungsfragen klären

Wo kann die Givebox stehen?

Für den Erfolg einer Tauschschranks ist es wesentlich, dass sie gut sichtbar und ohne Barrieren erreichbar ist. Der Standorte sollte so gewählt sein, dass möglichst viele Menschen vorbeigehen - beispielsweise in der Nähe einer ÖPNV-Haltestelle, eines Jugend- oder Einkaufzentrums oder eines öffentlich zugänglichen Platzes.

Mindestens genauso wichtig ist es aber, die Givebox in der Nähe derjenigen aufzustellen, die sich regelmäßig um sie kümmern werden. Je kürzer die Wege, desto einfacher ist es, nach der Givebox zu schauen.

Mancherorts ist es auch möglich und sinnvoll, die Givebox in einem Gebäude aufzustellen - beispielsweise in Bürgerzentren. Diese sind zwar nicht immer zugänglich, jedoch kann die Givebox dort leichter gepflegt und vor ungewollten „Zugriffen“ geschützt werden.


Variante 1:
→ Aufstellen der Givebox auf einer öffentlichen Fläche:
Handelt es sich um eine städtische Fläche, ist als erstes Kontakt zur Stadtverwaltung aufzunehmen. Dort können Sie die weiteren Schritte klären. Je nach Kommune sind bei solchen Vorhaben das Liegenschaftsamt oder auch das Bauamt die zuständigen Ansprechpartner.
Variante 2:
→ Aufstellen der Givebox auf einer privaten Fläche:
Dann gilt es, zunächst den Eigentümer dieser Fläche ausfindig zu machen und auf die Idee anzusprechen.


Versicherung und Nutzungsordnung

Der Betreiber einer Givebox - ob Verein, GbR oder Einzelperson – hat im Rahmen der sogenannten „Verkehrssicherungspflicht“ die Pflicht, den öffentlich zugänglichen Tauschschrank so sicher wie möglich zu machen. Er muss dafür sorgen, dass Menschen keine Schäden durch vorhersehbare Gefahren erleiden. Das heißt, der Tauschschrank sollte so wenige Gefahrenquellen wie möglich aufweisen. Für eine Givebox bedeutet dies zum Beispiel, auf eine hohe Standfestigkeit zu achten oder darauf, dass das verwendete Holz nicht splittern kann.

Zudem ist es empfehlenswert, sich möglichst früh in der Planungsphase um das Thema Versicherung zu kümmern.

Tipp: Eventuell kann das Givebox-Projekt an bestehende Organisationen und Einrichtungen (zum Beispiel Vereine, Wohlfahrtsverbände, städtische Angebote) angebunden und durch diese mitversichert werden.

Praxisbeispiel Givebox Korschenbroich

Die Initiatoren der Givebox in Korschenbroich sind mit ihrer Idee an die Stadtverwaltung herangetreten. Um die Risiken, die mit der Aufstellung einer Givebox im öffentlichen Raum verbunden sind, zu vermeiden, hat sich die Initiative für folgendes Modell entschieden: Der Stadt wurde in einem schriftlichen Vertrag (Schenkungsvertrag) die Givebox überlassen.

Als städtisches Eigentum ist sie über die Versicherung der Kommune mitversichert. Es entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Gleichzeitig hat sich die Initiative in dem Schenkungsvertrag zur fortlaufenden Pflege der Givebox verpflichtet.

Aufstellen der Givebox

Tipps für Planung und Bau

  • Die Konstruktion der Givebox sollte robust und wetterfest sein. Zugleich motiviert eine liebevolle Gestaltung zum Tauschen und Teilen.
  • Es wird nicht immer möglich sein, eine Givebox barrierefrei zu bauen. Schön ist es aber, wenn die Givebox für möglichst viele Menschen nutzbar ist.
  • Für die Innengestaltung, zum Beispiel mit Regalen, ist es sinnvoll zu überlegen, was in der Givebox alles getauscht werden könnte. Eventuell lässt sich eine gewisse Struktur und Ordnung über die Gestaltung vorgeben. Beispiel: An einer Kleiderstange können Kleiderstücke besser präsentiert und angesehen werden und es bilden sich keine „Wühlkisten“.
  • Eine kleine Pinnwand oder ein Gästebuch fördern den Austausch.


Tipps für die Nutzungsordnung

Es ist sinnvoll, eine Nutzungsordnung für das Einstellen von Dingen in und Entnehmen aus der Givebox aufzusetzen. Außerdem können auch Hinweise zur Haftung gegeben werden. Das sollte in der Nutzungsordnung stehen:

  1. Die Idee: Was ist eine Givebox?
  2. Die Regeln: Was darf hineingelegt werden, was nicht?
  3. Die Nutzung: Wie unterstütze und nutze ich die Givebox?
  4. Die Initiative: Wer steckt dahinter? Eventuell Kontakt angeben.

Was passiert, wenn ein Produkt aus der Givebox kaputt ist?

Mit der Nutzungsordnung sowie durch die Kümmerer (und natürlich alle Nutzerinnen und Nutzer) einer Givebox sollte darauf hingewirkt werden, dass möglichst keine unbrauchbaren - oder sogar gefährlichen - Gegenstände im Tauschschrank landen.

Dennoch ist beim Tausch gebrauchter Gegenstände davon auszugehen, dass auch mal kaputte, nicht funktionstüchtige Gegenstände im Schrank zu finden sind. Grundsätzlich kann die nehmende Person hier keine Ansprüche geltend machen.

Garantieansprüche gegenüber dem Hersteller und Gewährleistungsrechte gegen den Vorbesitzer gelten zwar grundsätzlich auch beim Tausch, sind aber in der Praxis beim anonymen Tausch über eine Givebox nicht durchsetzbar. Es ist davon auszugehen, dass der Vorbesitzer mit der anonymen Ablage des Gegenstands in der Tauschbox zum Ausdruck bringt, dass er seine Gewährleistungspflichten für den Gegenstand ausschließen will, was unter Privaten Personen möglich ist.


Einweihung, Pflege und laufender Betrieb der Givebox

Wenn die Givebox steht, ist das erst einmal ein Anlass zum Feiern!

Die Einweihung der Givebox ist auch ein Anlass, die lokale Presse einzuladen, damit sie über das neue Angebot berichtet.

Warum nicht ein kleines Fest mit Freunden und Helfern veranstalten, zu dem unbedingt auch die Nachbarn eingeladen werden sollten?

Wie viel Aufmerksamkeit braucht die Givebox?

Die Givebox sollte in regelmäßigen Abständen – zirka alle zwei Wochen – kontrolliert werden. Denn es kann sein, dass manche Dinge keinen Abnehmer finden, die Givebox füllen und so keinen Platz für andere Sachen mehr ist. Was zu lange im Tauschschrank liegt und auch keiner wieder abholt, sollte entfernt werden.

Außerdem muss ab und zu Staub gewischt, gekehrt und einfach geschaut werden, ob sich die Givebox wie auch deren Inhalt in einem guten Zustand befinden. Für diese Aufgabe ist es gut, Paten aus der Nachbarschaft zu gewinnen. Als „Kümmerer“ sorgen sie in regelmäßigen Abständen für Ordnung.


Was tun gegen Vandalismus und Müll?

Bei einem offenen und öffentlich zugänglichen Projekt wie einer Givebox besteht immer die Gefahr des Vandalismus und der unsachgemäßen Verwendung. Ein Schutz dagegen kann sein, den Tauschschrank auf einer privaten Fläche zu errichten oder sie in eine Einrichtung mit festen Öffnungszeiten (zum Beispiel Quartiersbüro, Nachbarschaftszentrum etc.) zu integrieren. Dies bedeutet aber auch eine eingeschränkte Nutzbarkeit.

Eine stabile, feuerfeste Bauweise, eine liebevolle Gestaltung und regelmäßiges Kontrollieren der Givebox wirken Vandalismus und Müllabladen ebenfalls entgegen.


Wie wird die Givebox bekannt?

Grafik: Kommunikation nach außenDie Givebox ist da – jetzt soll sie natürlich rege genutzt werden. Auch werden immer wieder „Kümmerer“ benötigt. Nachbarn und gleichgesinnte Gruppen in der Stadt (zum Beispiel foodsharing, Transition Town-Initiativen, Tauschringe) sollen von dem Angebot erfahren.

Eine eigene Internetseite kann das Angebot bekannt machen. Soziale Netzwerke wie Facebook bieten die Möglichkeit, Neuigkeiten zu verbreiten, Termine anzukündigen und mit Nutzern in Kontakt zu kommen. Flyer und Plakate informieren die Nachbarn über die Givebox.

Viele nützliche Hinweise zur Öffentlichkeitsarbeit von Initiativen bietet das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen (EPN Hessen) e.V.

Hier gibt es → praktische Tipps für die Pressearbeit

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