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So entsteht eine Givebox

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Tauschen, teilen und verschenken – das ist das Prinzip einer Givebox. Wir geben euch Tipps, wir ihr eine Givebox realisiert, und sagen euch, was ihr beachten müsst, wenn die Givebox einmal steht.

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Was ist eine Givebox?

Eine Givebox ist ein wetterfestes Regal, ein begehbarer Schrank oder ein kleiner Container. Sie steht an einem öffentlich zugänglichen Ort und bietet Passanten und Nachbarn die Möglichkeit, auf einfache Weise Dinge zu tauschen und zu verschenken.

Das Prinzip Givebox bedeutet Geben und Nehmen: Dinge, die man selbst nicht mehr braucht, werden anonym an andere abgegeben, die sie benötigen und weiter nutzen. Das können Bücher sein, Spielwaren, Kleidungsstücke oder das Topf-Set aus dem Keller. Durch das Tauschen und Teilen wird die Lebensdauer vieler Alltagsgegenstände verlängert und ein Beitrag zur Müllvermeidung und Ressourcenschonung geleistet.

So stellt ihr eine Givebox auf die Beine

Jeder kann – als Einzelperson oder in einer Gemeinschaft – die Initiative für eine Givebox ergreifen. Als Gruppe ist es leichter, weil ihr die anfallenden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen könnt. Um erfolgreich zu sein, braucht die Givebox zudem eine breite Akzeptanz.

Ein zwei- bis vierköpfiges Kernteam ist sinnvoll.

Checkliste zum Start der Givebox

Idee verbreitet? Am einfachsten ist es, eure Vorstellungen zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis zu verbreiten. Informiert Anwohner und Nachbarn über eure Idee und bezieht sie in die Planungen mit ein.
Öffentlichkeitsarbeit organisiert? Durch einen Aushang am Schwarzen Brett im Nachbarschaftszentrum, Kindergarten oder örtlichen Supermarkt sprecht ihr Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft an und motiviert sie zum Mitmachen.
Netzwerk aufgebaut? Bereits bestehende Nachbarschafts- oder Stadteilinitiativen sind gute Anlaufstellen, um das Tauschen, Teilen und Schenken über eine Givebox zu fördern und Interessierte zu finden. Diese Gruppen können euch auch bei Fragen zu Rate stehen; sie sind bereits organisiert und vernetzt und gut geeignet, die Idee einer Givebox zu verbreiten.

Folgende Aufgabenbereiche fallen bei der Gründung und im laufenden Betrieb an:

  • Finanzierung und Sponsoring
  • Planung und Aufbau des Tauschschranks
  • Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung
  • Finden von „Givebox-Paten“, die sich regelmäßig um die Givebox und ihre Inhalte kümmern.

Finanzierung und Sponsoring

Kooperationspartner und Förderer können ggf. Flächen für die Platzierung einer Givebox zur Verfügung stellen oder als ideelle und finanzielle Unterstützer fungieren. Dies kann der Baumarkt vor Ort sein, der das Vorhaben mit einer Materialspende unterstützt, oder karitative und kirchliche Organisationen, die ihre Grundstücke zur Verfügung stellen. Auch Vereine und Organisationen aus dem Bereich Umwelt- und Ressourcenschutz oder bürgerschaftlichem Engagement sowie bereits bestehende  Nachbarschaftsinitiativen können helfen, eine Givebox zu realisieren. Sie sind eventuell bereit, bei den Materialkosten zu helfen. Außerdem lohnt es sich, bei der Stadtverwaltung anzufragen, ob Gelder für Nachbarschaftsprojekte zur Verfügung stehen.

Eine weitere Möglichkeit ist Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“). Eine Crowdfunding-Kampagne zielt auf das Erreichen einer angestrebten Fördersumme ab. Detaillierte Infos dazu findet ihr hier.

Die Kosten beim Bau variieren je nach Bauweise, Material und Größe stark. Je sicherer und stabiler, desto teurer ist sie. Aber es ist sinnvoll, auf langlebiges Material und eine solide Bauweise zu achten; nur so kann die geforderte „Verkehrssicherheitspflicht“ eingehalten werden und der Schrank langfristig und sicher aufgestellt werden.

Praxisbeispiel: BonnBox
Für die Materialkosten der Givebox, eine Aufwandsentschädigung für den Schreiner und eine Rücklage für Reparaturen und Ersatzteile haben die Initiatoren der BonnBox eine Crowdfunding-Kampagne über eine der zahlreichen bestehenden Crowdfunding-Plattform im Internet gestartet. Durch die Kampagne kam innerhalb weniger Wochen die erforderliche Summe von knapp 500 Euro zusammen.

Planung und (Auf-)Bau

  • Die Konstruktion der Givebox sollte robust und wetterfest sein.
  • Eine liebevolle Gestaltung motiviert zum Tauschen und Teilen.
  • Mit der Innengestaltung könnt ihr eine gewisse Struktur und Ordnung für die jeweiligen Tauschprodukte vorgeben. Beispiel: An einer Kleiderstange werden Kleiderstücke gut präsentiert, es bilden sich keine „Wühlkisten“.
  • Eine kleine Pinnwand oder ein Gästebuch fördern den Austausch.

Der richtige Standort

Kriterien für einen guten Standort:

  • Die Givebox ist gut sichtbar und ohne Barrieren erreichbar.
  • Es gehen viele Menschen daran vorbei, weil sie z.B. in der Nähe einer ÖPNV-Haltestelle, eines Jugend- oder Einkaufzentrums oder eines öffentlich zugänglichen Platzes steht.
  • Die Givebox steht in der Nähe derjenigen, die sich regelmäßig um sie kümmern.
  • Sie steht in einem Gebäude, z.B. in einem Bürgerzentrum. Vorteil: Die Givebox kann leichter gepflegt und vor ungewollten Zugriffen geschützt werden. Nachteil: Sie ist nicht immer zugänglich.

Variante I: Öffentliche Fläche
Handelt es sich um eine städtische Fläche, müsst ihr als erstes Kontakt zur Stadtverwaltung aufnehmen. Dort könnt ihr die weiteren Schritte klären. Je nach Kommune sind bei solchen Vorhaben das Liegenschaftsamt oder auch das Bauamt die zuständigen Ansprechpartner.

Variante II: Private Fläche
Handelt es sich um eine private Fläche, müsst ihr zunächst den Eigentümer ausfindig machen, ihn auf eure Idee ansprechen und die Einzelheiten mit ihm klären.

Nachhaltigkeits- und Givebox-Initiativen in NRW findet ihr auf der Mitmachkarte. Klickt euch durch, erfahrt von gelungenen Projekten und nehmt Kontakt auf!

Versicherung und Nutzungsordnung

Der Betreiber einer Givebox – ob Verein, GbR oder Einzelperson – hat im Rahmen der sogenannten „Verkehrssicherungspflicht“ die Pflicht, den öffentlich zugänglichen Tauschschrank so sicher wie möglich zu machen. Er muss dafür sorgen, dass Menschen keine Schäden durch vorhersehbare Gefahren erleiden. Das heißt, der Tauschschrank sollte so wenige Gefahrenquellen wie möglich aufweisen.

Tipp: Kümmert euch früh in der Planungsphase um das Thema Versicherung. Hier findet ihr ausführliche Informationen dazu. Evtl. kann das Givebox-Projekt an bestehende Organisationen und Einrichtungen angebunden und durch diese mitversichert werden.

Praxisbeispiel: Givebox Korschenbroich
Die Initiatoren sind mit ihrer Idee an die Stadtverwaltung herangetreten. Um die Risiken, die mit der Aufstellung einer Givebox im öffentlichen Raum verbunden sind, zu vermeiden, hat sich die Initiative für folgendes Modell entschieden: Der Stadt wurde in einem schriftlichen Vertrag (Schenkungsvertrag) die Givebox überlassen. Als städtisches Eigentum ist sie über die Versicherung der Kommune mitversichert. Es entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Gleichzeitig hat sich die Initiative in dem Schenkungsvertrag zur fortlaufenden Pflege der Givebox verpflichtet.

Es ist sinnvoll, eine Nutzungsordnung für das Einstellen und Entnehmen der Produkte aufzusetzen. Außerdem können auch Hinweise zur Haftung gegeben werden. Inhalte der Nutzungsordnung:

  1. Die Idee: Was ist eine Givebox?
  2. Die Regeln: Was darf hineingelegt werden, was nicht?
  3. Die Nutzung: Wie unterstütze und nutze ich die Givebox?
  4. Die Initiative: Wer steckt dahinter? Eventuell Kontakt angeben.

Kaputtes Produkt?

Beim Tausch gebrauchter Gegenstände ist davon auszugehen, dass manche Gegenstände auch einmal kaputt oder nicht funktionstüchtig sind. Grundsätzlich kann die nehmende Person hier keine Ansprüche geltend machen. Garantieansprüche gegenüber dem Hersteller und Gewährleistungsrechte gegen den Vorbesitzer gelten zwar grundsätzlich auch beim Tausch, sind aber in der Praxis beim anonymen Tausch über eine Givebox nicht durchsetzbar. Es ist davon auszugehen, dass der Vorbesitzer mit der anonymen Ablage zum Ausdruck bringt, dass er seine Gewährleistungspflichten für den Gegenstand ausschließen will. Dies ist unter privaten Personen möglich.

Laufender Betrieb

Im laufenden Betrieb ist wichtig:

  • Regelmäßige Kontrolle der Inhalte: Die Givebox sollte ca. alle zwei Wochen kontrolliert werden. Es kann sein, dass manche Dinge keinen Abnehmer finden, die Givebox füllen und so kein Platz für andere Sachen da ist. Was zu lange im Tauschschrank liegt, sollte entfernt werden.
  • Zuverlässige Pflege der Givebox: Es muss ab und zu Staub gewischt, gekehrt und geschaut werden, ob sich die Givebox und ihr Inhalt in einem guten Zustand befinden. Für diese Aufgabe ist es gut, Paten aus der Nachbarschaft zu gewinnen, die für Ordnung sorgen.
  • Schutz vor Vandalismus und Müll: Die Errichtung auf einer privaten Fläche oder in einer Einrichtung mit festen Öffnungszeiten, z.B. Quartiersbüro oder Nachbarschaftszentrum, schützt vor Vandalismus – schränkt aber auch die freie Zugänglichkeit ein. Eine stabile, feuerfeste Bauweise und regelmäßige Kontrollen wirken Vandalismus und Müll entgegen.

So macht ihr eure Givebox bekannt

Die Givebox ist da – jetzt soll sie natürlich rege genutzt werden. Nachbarn und Gleichgesinnte sollen durch Öffentlichkeitsarbeit von eurem Angebot erfahren.

So könnt ihr über eure Initiative informieren:

  • Internetseite: Erläutert euer Angebot auf einer eigenen Homepage.
  • Soziale Medien: Netzwerke wie Facebook bieten die Möglichkeit, Neuigkeiten zu verbreiten, Termine anzukündigen und mit den Nutzern in Kontakt zu treten.
  • Flyer und Plakate: Erstellt Flyer und Plakate, um eure Nachbarn über die Givebox zu informieren.
  • Veranstaltung: Die Einweihung sollte gefeiert werden! Ladet Nachbarn und Gleichgesinnte ein, um den Start eurer Givebox gemeinsam an Ort und Stelle zu feiern. Tipp: Ein Eröffnungsfest ist immer ein guter Aufhänger, um an die lokale Presse heranzutreten.

Weitere Hinweise für den Umgang mit Pressevertretern und konkrete Tipps zum Schreiben einer Pressemitteilung findet ihr auf der Seite Wie kommt unsere Initiative in die Medien?
Viele nützliche Hinweise zum Themenkomplex Öffentlichkeitsarbeit bietet das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen (EPN Hessen) e.V.

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