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Lebensmittel retten, teilen, genießen

Seit September 2018 setzt sich die Initiative „Enjoy the Food“ in Düsseldorf und Umgebung dafür ein, dass weniger Essbares im Müll landet.

An einem Fahrrad hängt  ein Schild "Fair-Teiler Bilker Rad"
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Sie heißen „Rath-Geber“, „Werstvoll“ oder „Holts-raus-Rad“ und laden zum Retten, Teilen und Genießen ein: die Lebensmittelfahrräder der Initiative „Enjoy the Food“. Rot angestrichen und mit verschließbaren Kunststoffboxen und Körben ausgestattet, stehen sie in vielen Düsseldorfer Stadtteilen und dienen als „Fair-Teiler“ für Essbares, das von Bäckereien, Supermärkten und anderen Lebensmittelbetrieben aussortiert wurde.

Jeder kann sich kostenlos bedienen oder selbst Überschüssiges aus Haushalt und Garten für andere hinterlegen. „Eine super Sache“, findet Helena (58), die jeden Tag am „Bilker-Rad“ vorbeischaut, weil sie die Lebensmittel gut brauchen kann. Deshalb will sie selbst auch mithelfen, dass das Rad sauber und in Ordnung bleibt.

Food-Räder im öffentlichen Raum

Eine Frau steht an einem Foodsharing-Fahrrad
Katharina Linke am Fair-Teiler in Düsseldorf Bilk

„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Helfern“, sagt Katharina Linke, die „Enjoy the Food“ im September 2018 gegründet hat. Elf Verteilerstationen werden inzwischen schon bedient, darunter eine beim AStA (allgemeiner Studierendenausschuss) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Im April 2019 kam das erste Food-Rad in Leverkusen hinzu, auch am Niederrhein und im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Initiative aktiv.

Dass gerade ausrangierte Fahrräder als „Fair-Teiler“ genutzt werden, hat einen Grund: Sie können nach Genehmigung der zuständigen Stellen im öffentlichen Raum – beispielsweise überdachten Fahrradplätzen an S-Bahnhöfen – platziert und bei Bedarf schnell wieder entfernt werden.

Helfer aus allen Altersgruppen

Mal sind es zehn große Kartons voller Brot und Brötchen, mal 120 Kilogramm Himbeeren aus Marokko oder massenweise Salatköpfe und Tomaten, die die Lebensmittelretterinnen und -retter von den kooperierenden Betrieben (im Mai 2019 sind es 71 in 13 Städten) abholen und in Fair-Teilern, an Info-Ständen, in Privathaushalte und an Einrichtungen wie Flüchtlingsheime oder Notschlafstellen für Wohnungslose weitergeben. „Bedürftigkeit ist aber kein Kriterium.

Im Mittelpunkt steht, dass die Sachen nicht weggeworfen, sondern gegessen werden. Aber es ist natürlich schön, wenn auch Menschen mit kleinem Einkommen damit geholfen wird“, so Katharina Linke.

129 Helferinnen und Helfer machen schon mit, Berufstätige ebenso wie Studenten und Rentner. „Die meisten wollen einfach etwas Gutes tun“, so die Gründerin, die selbst schon mit 15 Jahren auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam wurde. „Ich habe damals in einer Bäckerei gearbeitet und gesehen, wie viel am Ende des Tages entsorgt wurde. Da habe ich angefangen, mir Gedanken zu machen“, erzählt sie. Später setzte sie sich beim Verein „foodsharing“ ein, bevor sie 2018 entschied, „etwas Eigenes zu machen“.

„Es ist schön, dass wir so viel retten können, aber eigentlich traurig, dass so viel weggeworfen wird.“
Katharina
„Das ist eine ganz tolle Sache mit den Food-Rädern. Es müssten noch mehr Leute etwas reintun.“
Helena
„Tolle Lebensmittel und sehr liebe Menschen, die retten und verteilen! Großes Dankeschön!!!“
Facebook-Kommentar
„Am meisten Freude macht es mir, wenn ich sehe, dass wir Leuten mit den Lebensmitteln Freude machen können.“
Katharina
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In sieben Monaten gut 145 Tonnen Lebensmittel gerettet

Seit September 2018 hat „Enjoy the Food“ bereits gut 145 Tonnen Lebensmittel von Betrieben eingesammelt und weiterverteilt. Die Kooperationspartner sparen sich Entsorgungsgebühren, können sich auf die Abholung verlassen und gehen durch einen Haftungsausschluss kein Risiko ein. Die Initiative nimmt auch Ware mit, die „über“ dem Mindesthaltbarkeitsdatum ist. Ebenso dürfen die Lebensmittelretter Non-Food-Artikel annehmen. „Der aufgerissene Sack Katzenstreu, das ein bisschen ausgelaufene Shampoo – es ist unglaublich, was sonst alles im Müll landet“, findet Katharina. Mit etwas über 3000 Kilogramm sind solche Produkte aber die Ausnahme.

Obst und Gemüse, Backwaren und Trockenware wie Nudeln oder Kekse machen das Gros der Spenden aus. Über Facebook wird mitgeteilt, was gerade in welchem Rad oder anderen Fair-Teilern deponiert wurde. „Meist ist innerhalb von zwei bis drei Stunden alles weg. Wir brechen jede Woche einen neuen Mengenrekord. Es ist natürlich schön, dass wir so viel retten können, aber eigentlich traurig, dass so viel weggeworfen wird.“

Viele Ideen für weitere Projekte

Als große Herausforderung steht nun an, die Initiative „rechtskräftig“ zu machen – ob als Verein, gemeinnützige GmbH oder in einer anderen Rechtsform. Ein Wunsch wäre es, ein Ladenlokal zu finden, in dem ein Café mit Speisen aus geretteten Lebensmitteln betrieben und ein weiterer Raum als tägliche Verteilstation eingerichtet werden kann. Monatliche Koch-Events gibt es bereits. Auch Bildungsangebote in Kitas und Schulen möchte Katharina Linke gerne umsetzen. Für all das wird Unterstützung benötigt.

Zurzeit managt die 28-Jährige  alles mit einem kleinen Kernteam. „Wir sind froh über jeden Retter, aber auch für die Orga, die Öffentlichkeitsarbeit, die Pflege der Homepage und vieles andere braucht man Helfer.“ 

enjoy-the-food.de

Darum geht’s! - Lebensmittelretten

Foodsharing-Initiativen sammeln unverkäufliche oder übriggebliebene, aber noch genießbare Lebensmittel ein und geben sie kostenlos weiter. Ziel ist es, wertvolle und aufwändig produzierte Nahrungsmittel vor dem Müll zu bewahren. 

Foodsharing.de ist eine Internetplattform, über die die Mitglieder der Community Lebensmittel teilen können. Außerdem werden über sogenannte Fair-Teiler Lebensmittelspenden von Betrieben weitergegeben. Die Plattform startete 2012 und wird vom Verein foodsharing e.V. betrieben – kostenlos und ehrenamtlich.

Während die Tafeln Lebensmittel ausschließlich an Bedürftige weitergeben, an strenge Hygienevorschriften gebunden sind und große Mengen verteilen, geht es bei Foodsharing-Initiativen auch um kleine Mengen. Bedürftigkeit spielt keine Rolle, die Lebensmittel sind nur für den privaten Gebrauch vorgesehen und werden auf eigenes Risiko geteilt und genutzt.

Viele Informationen und Initiativen sind zu finden auf der Internetseite www.lebensmittelwertschaetzen.de des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Zu Gruppen und Initiativen aus NRW geht es über www.mehrwert.nrw/mitmachkarte.

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