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Gemeinsam gärtnern: So wird’s grün und bunt

Bei einem Gemeinschafts- oder Mitmach-Garten tun sich Menschen unterschiedlichen Alters und vielfältiger Herkunft zusammen, um gemeinsam Flächen fürs Gärtnern zu nutzen.

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Das Säen, Pflanzen, Pflegen und Ernten lässt nicht nur Obst, Gemüse und Blumen, sondern auch Gemeinsinn und gute Nachbarschaft wachsen. So entwickeln sich nachhaltige und lebenswerte Stadtquartiere mit grünen Oasen für jedermann sowie interkulturelle Begegnungsorte für Jung und Alt.

Die ersten Schritte zum Gemeinschaftsgarten

Grafik: mehrere Personen stehen beieinander, darüber steht "Gemeinschaft"Gemeinschaftsgärten sind Experimentierräume, die sich durch das Engagement der Gärtnerinnen und Gärtner entwickeln. Bei der Planung steht die Partizipation, das gemeinsame Entscheiden auf Augenhöhe, im Vordergrund. Trotzdem können die Initiatoren dem Projekt im Vorfeld eine bestimmte Richtung geben. Soll der Garten interkulturell oder generationsübergreifend sein oder eine andere thematische Ausrichtung haben? Richtet sich das Angebot an Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers oder Häuserblocks? Geht es um die Erhaltung alte Obst- und Gemüsesorten oder um Heilkräuter? Jeder Gemeinschaftsgarten trägt eine ganz persönliche Note.

Unsere Initiativenkarte gibt einen Überblick über bereits bestehende Gemeinschaftsgärten in NRW. Wenn Sie mitgärtnern möchten oder selbst ein Projekt planen, nehmen Sie Kontakt auf. Die Initiativen geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen gerne weiter.

Wie lässt sich eine geeignete Fläche für den Gemeinschaftsgarten finden?

Zur Anlage von Gemeinschaftsgärten eignen sich Baulücken, brachliegende Flächen oder Innenhöfe von Häuserblocks. Dächer von Tiefgaragen, Randbereiche von öffentlichen Grünflächen oder Areale innerhalb bestehender Parkanlagen sind ebenfalls gut für das urbane Gärtnern nutzbar. Grundsätzlich gilt es, die Augen offen zu halten, um dann im nächsten Schritt den/die Eigentümer/in der infrage kommenden Fläche zu ermitteln und anzusprechen. Städte und Gemeinden sowie Kirchengemeinden verpachten Grundstücke bei einer gemeinwohlorientierten Nutzung häufig kostenlos.

Tipps:

  • Fragen Sie bei Wohnungsbaugesellschaften, Schulen, Kindergärten, Altenheimen oder Privatpersonen nach, ob sie Flächen fürs Gärtnern zur Verfügung stellen wollen. Je nach thematischer Ausrichtung des Gartens können solche Einrichtungen wertvolle Unterstützer oder Kooperationspartner für das urbane Gärtnern sein.
  • Prüfen Sie beim Stadtplanungsamt, ob auf der Wunschfläche das Gärtnern und die Errichtung von kleinen Gebäuden (wie Geräteschuppen, Hochbeete) zulässig sind. Nehmen Sie Kontakt zur Bauaufsichtsbehörde auf um zu klären, ob Sie für Ihr Vorhaben eine Baugenehmigung benötigen.
  • Manche Städte weisen bereits Flächen für das gemeinschaftliche Gärtnern im Stadtgebiet aus. Dies ist zum Beispiel bei nicht mehr genutzten Spielplatzflächen der Fall. Es lohnt sich, danach auf den Internetseiten der Stadt oder Gemeinde zu recherchieren.
  • Prüfen Sie, ob das Grundstück zu Fuß, mit dem Rad oder ÖPNV erreichbar ist.


Plastikflaschen hängen als Pflanzgefäße an einem Gitter.

Versiegelte oder zeitlich nur begrenzt zur Verfügung stehende Flächen (Zwischennutzung) eignen sich zum Gärtnern in Hochbeeten, Kisten und Säcken. Vertikalbeete stellen eine gute Alternative bei Platzproblemen dar, indem Pflanzgefäße an Mauern, Gittern und Zäunen befestigt werden. Auch ausrangierte Taschen, Beutel, zugenähte Jeans oder Reissäcke können als Pflanztaschen dienen. Für kleine Pflanzen reichen Tetra-Verpackungen, Konservendosen oder Plastikflaschen, die mit Haken und Bändern an Spalieren oder Ranghilfen hängen.

Welche Kriterien sind bei der Wahl der Gartenfläche zu berücksichtigen?

Das Gedeihen der Pflanzen hängt von den Standortbedingungen, Licht, Temperatur und Wasser ab. Die Bodenart und -qualität ist ein wichtiger Faktor für die Bepflanzung. Eventuell gibt es für die Wunschfläche ein Bodengutachten (beispielsweise bei der Stadt,  vielleicht unterstützt auch die Universität vor Ort). Ansonsten empfiehlt es sich, den Schadstoffgehalt des Bodens untersuchen zu lassen, besonders wenn es sich um eine Industriebrache handelt. Falls sich herausstellt, dass der Boden nicht zum Gärtnern eignet ist, kann die Bepflanzung in Kisten, Hochbeeten und Säcken erfolgen. In der Nähe von verkehrsreichen Straßen ist von einer hohen Schadstoffbelastung des Bodens auszugehen und ein Anbau von Obst- und Gemüseanbau nicht empfehlenswert. Grafik: Kennzeichnungsschilder zeigen Gemüsesorten

Wasser ist für das Gärtnern ein „Muss“. Pflanzen benötigen es zum Wachsen und Gedeihen. Deshalb bietet es sich an, Regentonnen und -segel aufzustellen. In den Sommermonaten reicht das Regenwasser für die Bewässerung der Pflanzen jedoch meist nicht aus. Falls sich ein Brunnen auf dem Grundstück befindet, sollte die Wasserqualität getestet werden. Brunnenwasser ist häufig schadstoffbelastet und entspricht nicht immer Trinkwasser-Kriterien. Einige Gartenprojekte entnehmen Wasser aus öffentlichen Hydranten (Trinkwassernetz). Für den Wasserverbrauch und Standrohre fallen Gebühren an. Einen eigenen Wasseranschluss zu legen ist sinnvoll, wenn die Gartenfläche über einen längeren Zeitraum gepachtet ist. Bei der Nutzung von Trinkwasser fallen in der Regel Abwassergebühren an.

Tipp: Bei der Einrichtung eines Wasseranschlusses und den damit verbundenen Kosten kann eventuell die Stadt helfen.

Ist ein Stromanschluss nötig? Häufig kommen die Gärtnerinnen und Gärtner ohne Strom aus, indem sie das Gras mit der Sense oder dem Handrasenmäher kürzen und andere nicht elektrische Geräte einsetzen.

Tipp: Kooperieren Sie mit der Nachbarschaft und fragen Sie, ob Sie Strom gegen eine Gebühr nutzen dürfen.

Darüber hinaus ist es für einen Gemeinschaftsgarten interessant, in welchem Umfeld er angesiedelt ist. Gibt es unmittelbar Anwohnerinnen und Anwohner oder andere Initiativen, die sich gegebenenfalls durch neue Aktivitäten gestört fühlen oder die sich direkt mit einbinden lassen?

Tipp: Binden Sie die Nachbarn frühzeitig mit ein.

Welche Kosten fallen für den Gemeinschaftsgarten an?

Grafik: Münzen und die Überschrift "Finanzen"Es ist hilfreich, zunächst einen Finanzplan aufzustellen und die Einnahmen und Ausgaben für den Gemeinschaftsgarten aufzulisten.

Zu den laufenden Kosten zählen Miet- und Pachtzahlungen, Wasser- und Stromgeld, Instandhaltungskosten und Versicherungsgebühren. Gegebenenfalls entfallen einige dieser Posten (zum Beispiel Miete oder Pacht, wenn Sie die Fläche kostenfrei zur (Zwischen-)Nutzung zur Verfügung gestellt bekommen.Eine ausrangierte Handtasche als Pflanzgefäß

Außerdem schlagen die Herrichtung des Geländes (Müllentsorgung, Aufbereitung der Flächen, Anlegen von Wegen, Zäunen und Heckenbepflanzung, Wasser- und Stromanschluss) und Material (Pflanzen, Samen, Geräte, Erde, Gefäße für Beete, abschließbarer Verschlag für Geräte, Sitzmöglichkeiten) zu Buche.

Bei knappen finanziellen Ressourcen nutzen Gärtnerinnen und Gärtner ausrangierte Gegenstände, um daraus Hochbeete, Sitzmöglichkeiten, Kompostbehälter oder Wassertanks zu bauen. Häufig stellen die Mitwirkenden aus ihrem persönlichen Bestand gebrauchte und nützliche Dinge bereit.

Finanzierungsmodelle wie Crowdfunding, Sponsoring, Förderung oder Privatfinanzierung kommen infrage. Für Gartengeräte, Samen, Muttererde kommen örtliche Sponsoren in Betracht.

Wie gewinnt ein Gemeinschaftsgarten Mitglieder?

Grafik: Ein Gärtner steht in einem Blumentopf.Für das urbane Gärtnern ist zumindest eine kleine Kerngruppe von Gärtnerinnen und Gärtnern erforderlich, die Zeit und Herzblut in das Projekt stecken. Ein Gemeinschaftsgarten entsteht und wächst durch Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen. Multiplikatoren wie Umweltverbände, bereits bestehende Quartiersprojekte, Bildungs- und Sozialeinrichtungen können helfen, das Vorhaben in verschiedenen Bevölkerungsgruppen bekannt zu machen. Gartenfeste, gemeinsame Bau- und Mitmachtage oder Kulturangebote tragen ebenfalls dazu bei, dass das Gartenteam zusammenwächst und potenzielle weitere Helferinnen und Helfer gewonnen werden. Weitere → Tipps zur Mitgliedergewinnung

Welche Vorteile bietet eine Vereinsgründung?

Um eine Verlässlichkeit für mögliche Zuwendungsgeber und Kooperationspartner zu gewährleisten, ist es empfehlenswert, einen Verein zu gründen. Die Vereinsform bietet den Vorteil, dass Förderanträge zur Durchführung von Projekten mehr Aussicht auf Erfolg haben. Bei vielen Förderern ist eine Antragstellung von Privatpersonen nicht zulässig. Zudem unterstützen Unternehmen und Einzelpersonen eher einen Verein als Privatpersonen. Weitere Informationen zur → Vereinsgründung und zum Vereinsrecht.

Wann ist es sinnvoll, ein Grundstück zu pachten?

Bäckerkisten als Pflanzgefäße.

Viele Gemeinschaftsgärten haben einen festen Standort und verfügen über einen mehrjährigen Pachtvertrag. Bei Zwischennutzunge von Grundstücken, für die es Verträge mit kurzer Laufzeit gibt, wird meist ein mobiler Garten angelegt, der umziehen kann – das heißt, der Anbau erfolgt in Hoch- und Vertikalbeeten, Bäckerkisten, Reissäcken und anderen Gefäßen.

Damit Gärten und Gemeinschaften sich entwickeln können, sind längerfristige Pachtverträge wünschenswert. Städte, Kirchengemeinden und Privatpersonen verpachten Grundstücke für gemeinnützige Vorhaben.

Die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis bietet einen Musterpachtvertrag zum Download an.

Wie wird der Gemeinschaftsgarten bekannt?

Tue Gutes und rede darüber – das gilt auch für Initiatven. Um einen Gemeinschaftsgarten  bekannt zu machen, Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen und zum Beispiel Akzeptanz in der Nachbarschaft zu schaffen, braucht es Öffentlichkeitsarbeit. Dafür gibt es viele Instrumente: Internetseite, Präsenz in sozialen Netzwerken wie Facebook, Flyer, Plakate, die Teilnahme an Veranstaltungen und Pressearbeit gehören beispielsweise dazu. Dabei sollte zunächst überlegt werden, wer mit Informationen über die Initiative erreicht werden soll – Gleichgesinnte, Anwohner oder die breite Öffentlichkeit? Gleichgesinnte sind womöglich am leichtesten über Facebook anzusprechen, für eine Information der Nachbarschaft kann ein Flyer verteilt werden. Denn – das steckt schon im Wort – Öffentlichkeitsarbeit macht Arbeit. Eine Website will aufgesetzt und gepflegt, ein Facebook-Auftritt regelmäßig mit interessanten Inhalten gefüllt werden, Plakate und Flyer müssen gestaltet und Pressemitteilungen geschrieben werden. Deshalb ist es wichtig, sich über die eigenen Ressourcen im Klaren zu sein.  

Checkliste:

  • Welche Zielgruppen möchten wir erreichen?
  • Welcher Weg und welches Kommunikationsinstrument ist dafür am besten geeignet?
  • Gibt es in der Gruppe jemand mit einem besonderen Interesse oder Kenntnissen, der die Aufgabe übernehmen kann?
  • Wer kann eventuell helfen – zum Beispiel bei der technischen Umsetzung einer Internetseite oder der grafischen Gestaltung eines Flyers?
  • Welche Kosten entstehen und wie kann die Finanzierung gesichert werden?

Viele nützliche Hinweise zum Themenkomplex Öffentlichkeitsarbeit bietet das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen (EPN Hessen) e.V.

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