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So baut ihr ein Reparatur-Café auf

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Ihr möchtet eure Nachbarschaft mit einem Reparatur-Café bereichern? Habt Lust, ein Team auf die Beine zu stellen, Räumlichkeiten und Termine zu organisieren und Ratsuchenden bei der Reparatur ihrer Geräte zu helfen? Bei uns findet ihr alle Infos zum Start, laufenden Betrieb und Erfolg des Cafés.

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Was ist ein Reparatur-Café?

Eine Reparatur-Initiative (= Reparatur-Café oder Repair-Café) ist eine Veranstaltung, bei der kaputte Alltagsgegenstände gemeinschaftlich repariert werden. In der Regel organisieren ehrenamtlich engagierte Reparaturhelfer die Cafés und bieten dort „Hilfe zur Selbsthilfe“ an.

Die Veranstaltungen finden meist einmal im Monat statt.

In angenehmer Atmosphäre wird gemeinsam repariert, geklebt oder gelötet. Defekte Geräte wie Staubsauger, Toaster, Kaffee- oder Nähmaschinen werden gegen eine freie Spende unter Anleitung fachkundiger Reparaturhelfer repariert. Je nach Initiative erklären die Helfer z.B. auch das Bedienen von Smartphones.

Es werden alle Geräte repariert, die die Gäste eigenständig zum Reparatur-Café tragen können.

Drei gute Gründe für ein Reparatur-Café

1.    Gemeinschaft und Begegnung
Eine Reparaturinitiative bietet nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern ist auch ein Nachbarschaftstreffpunkt, ein Ort der Begegnung und des gemeinschaftlichen Schaffens.

2.    Ressourcenschonung
Jedes Gerät, das repariert wird, wird nicht weggeworfen. Dies verlängert die Nutzungsdauer von Alltagsgegenständen und Elektrogeräten und schont Ressourcen und Geldbeutel.

3.    Keine Konkurrenz
Ein Reparatur-Café stellt keine Konkurrenz zu gewerblichen Dienstleistern dar. Die Reparaturen, die gegen freie Spende durchgeführt werden, sind oft so aufwendig und kostspielig, dass sie von Reparaturdienstleistern kaum durchgeführt werden. Außerdem beinhaltet das Konzept einer Reparatur-Initiative die gemeinschaftliche Reparatur des Geräts.

So gründet ihr ein Reparatur-Café

Sucht zunächst als Gäste eine bestehende Initiative auf. Dort könnt ihr euch mit den Betreibern unterhalten und euch einen Überblick über Abläufe, benötigte Werkzeuge sowie personelle und zeitliche Ressourcen verschaffen.

Repair-Café Siegburg und Repair-Café der Freien Aktiven Schulen Wülfrath: Wir stellen euch zwei tolle, erfolgreiche Reparaturinitiativen im Porträt vor.

Benötigtes Personal und Aufgaben

Die wichtigste Ressource einer Reparatur-Initiative sind ihre ehrenamtlich engagierten Mitglieder. Ihr solltet mit einem Team von mindestens vier bis fünf Personen starten. Um Gleichgesinnte zu finden und euer Team gut zu organisieren, ist es wichtig, dass ihr die Aufgaben, die in einem Repair-Café anfallen, kennt:

  • Organisation und Planung: Räumlichkeiten und ehrenamtliches Personal gewinnen, Termine festlegen, Kaffee- und Kuchenspenden organisieren, Gäste begrüßen, Reparaturen koordinieren.
  • Hilfe bei der Reparatur von Gegenständen: Defekte Geräte untersuchen, Unterstützung bei der Fehlerbehebung leisten.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Initiative über Flyer bekannt machen, Homepage einrichten und pflegen, lokale Presse (Zeitung, Radio) für Presseberichte einladen.
Welche Geräte repariert werden, hängt von den Interessen und Fähigkeiten der Mitglieder ab.

Engagierte Helfer finden

Potentielle Unterstützer/-innen kommen oft aus dem eigenen Umfeld. Mit folgenden Methoden könnt ihr engagierte Mitarbeiter/-innen finden:

  • Schneeballprinzip nutzen: Erzählt Freunden, Bekannten und Nachbarn von eurer Idee, ein Reparatur-Café zu gründen, und erkundigt euch, ob sie jemanden kennen, der Interesse an einer Mitarbeit hat. In bestehenden Reparatur-Initiativen engagieren sich häufig Fachleute (z.B. Elektrotechniker, Handwerker), die im Ruhestand sind.
  • Aushänge tätigen: Ein Aushang am Schwarzen Brett im Supermarkt, im Gemeindezentrum oder im Baumarkt bietet euch die Möglichkeit, weitere Mitstreiter für eure Initiative zu finden. Formuliert die Aufgabenbeschreibung sehr konkret, um gezielt Helfer/-innen zu finden.
  • Kontakte knüpfen: Sprecht örtliche Verbände, Vereine oder Initiativen an, die sich für mehr Ressourcenschonung oder Gemeinschaft einsetzen. Einige können die Gründung eines Reparatur-Cafés hauptamtlich unterstützen. Dazu gehören u.a. Quartiersmanager, Nachbarschaftszentren und kirchliche Institutionen. Auch Umweltverbände wie BUND, Greenpeace oder Transition Town-Gruppen kennen sich aus und verfügen über viel Erfahrung. Eine weitere Anlaufstelle für bürgerschaftliches Engagement vor Ort bieten die Freiwilligenagenturen in NRW.

Hier haben wir zahlreiche Ideen und Anregungen für euch zusammengestellt, wie ihr mit Erfolg neue Mitglieder sucht und findet.

Die richtigen Räumlichkeiten

Um einen passenden und kostengünstigen Raum zu finden, könnt ihr umliegende Gemeindezentren, örtliche Begegnungszentren/Bürgerzentren, kirchliche Institutionen, paritätische Verbände oder Nachbarschaftstreffs anfragen. Diese sind meist von der Idee des Reparatur-Cafés begeistert und können sie manchmal auch organisatorisch unterstützen.

Checkliste für die Auswahl der Räumlichkeiten

Helligkeit? Gibt es ausreichend Tageslicht oder die Möglichkeit über Steh- oder Tischlampen die Arbeitstische zu beleuchten?

Größe? Für vier Reparaturplätze und einen Warte-/Kuchenbereich sollten mindestens 40 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Ausreichende und sichere Stromversorgung? (Über FI-Schutzschalter.)

Bestuhlung? Gibt es genügend Tische und Stühle für Arbeitstische, Empfang und Café-Bereich?

Abschließbare Lagermöglichkeit? Wenn Werkzeuge und Ersatzteile gelagert werden, muss dafür ein sicherer Abstellplatz vorhanden sein.

Erreichbarkeit? Ideal ist es, wenn das Reparatur-Café gut zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.

Kaffeeküche? Gibt es die Möglichkeit Kaffee zu kochen? Geschirr zu benutzen und zu spülen?

W-LAN vorhanden? Einige Reparaturanleitungen kann man direkt im Internet aufrufen.

Diese finanziellen und materiellen Mittel braucht ihr?

Für eine Reparaturveranstaltung fallen verschiedene Kosten an, je nachdem wie die jeweilige Initiative organisiert ist und auf welche Spenden und Kooperationen sie zurückgreifen kann:

  • Raumkosten für Miete inklusive Stromversorgung
  • Werkzeug, Materialien und eventuell Ersatzteile
  • Versorgung mit Snacks, Kuchen(-zutaten) und Getränken
  • Versicherung für die Initiative
  • Öffentlichkeitsarbeit, Werbung wie Druck von Flyern und Plakaten

Es gibt zwar einige laufende Kosten, doch die Bereitschaft der Gäste zu spenden ist in aller Regel ausreichend vorhanden. So könnt ihr die anfallenden Kosten durch die Spendeneinnahmen der regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen decken. Tipp: Stellt eure Spendendose gut sichtbar im Raum auf und weist regelmäßig auf sie hin.

Hier findet ihr weitere Informationen rund um die Finanzierungsmöglichkeiten von bürgerschaftlichem Engagement.

Das notwendige Werkzeug

Zu Beginn ist eine der wichtigsten Aufgaben, das richtige Werkzeug zu besorgen und bereitzustellen. Mit der Zeit baut jede Reparaturinitiative einen guten Bestand auf, mit dem gearbeitet werden kann. Folgende Tipps helfen euch an die Sachen zu kommen, die ihr benötigt.

  • Benötigtes Werkzeug/Sachspenden: Sprecht die örtlichen Gewerbetreibenden an oder startet einen Spendenaufruf im Gemeindeblatt oder in einem Stadtteilmagazin. Je konkreter ihr das benötigte Werkzeug benennt, desto eher erhaltet ihr nützliche Spenden.
  • Aufforderung auf der Reparaturveranstaltung: Bittet eure Gäste im Rahmen der Reparaturveranstaltung um Werkzeug und Materialien. Viele sind bereit, euch doppeltes oder nicht mehr benötigtes Werkzeug zu spenden.
  • Ersatzteile: Spezielle Teile, die nicht vorrätig sind, werden in der Regel von den Besitzern der Geräte selbst gekauft.

Das müsst ihr bei Versicherung und Haftung beachten

Rechtliche Grundlage

Die Tätigkeiten in einem Reparatur-Café wie das gemeinschaftliche Reparieren von defekten Geräten und Alltagsgegenständen ist mit gewissen Gefahren und Risiken verbunden. Da die Tätigkeit im Ehrenamt stattfindet, gelten besondere rechtliche Regelungen.

Reparatur-Initiativen gelten in NRW mittlerweile als „klassisches Ehrenamt“. Also sind für sie und ihre Mitglieder dieselben Rechte und Pflichten wie für „klassische“ Strukturen im Ehrenamt (z.B. Freiwillige Feuerwehr, NABU-Ortverbände) gültig. Dies bedeutet: Es gelten die in NRW festgelegten Richtlinien zum Versicherungsschutz und zur Haftpflichtversicherung wie für andere Ehrenamtlich Engagierte. Weitere Informationen dazu stellt die Landesregierung NRW zur Verfügung.

Wichtig: Informiert euch frühzeitig über die Einzelheiten und trefft rechtzeitig die nötigen Maßnahmen. Detaillierte Informationen rund um die richtige Versicherung findet ihr hier und im Flyer "Sicherheit im Ehrenamt - Versicherungsschutz für freiwilliges Engagement". Alles, was ihr zum Thema Haftung wissen müsst, steht hier.

Unfall- und Haftpflichtversicherung

Bei einem Reparatur-Café spielen vor allem die Unfall- und Haftpflichtversicherung eine Rolle. Eine Haftpflichtversicherung kann über den Verbund Offener Werkstätten abgeschlossen werden. Haftung heißt die Verpflichtung zum Schadensersatz bei Schädigung (Sach- oder Personenschaden) Dritter, im Fall eines Reparatur-Cafés der Gäste. Dies kann selbst bei Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen nie gänzlich ausgeschlossen werden (Gefährdungshaftung). Nur für nicht rechtsfähige Initiativen bietet die Landesversicherung NRW einen Haftpflichtversicherungsschutz, alle ehrenamtlich Engagierten in NRW sind über das Land NRW unfallversichert.

Eine Ein- und Ausgangsprüfung der Geräte ist sinnvoll, aber nicht verpflichtend vorgeschrieben, um versichert zu sein.

Durch gut organisierte und protokollierte Arbeitsabläufe, Absprachen im Team, Anwendung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensregeln und auch gesunden Menschenverstands könnt ihr potentielle Gefahren auf ein Mindestmaß reduzieren.

Sicherheitsstandards für einen Versicherungsschutz (z.B. Prüfungszeugnisse) gibt es nicht.

Diese Sicherheitsmaßnahmen solltet ihr bei der Betreibung eures Cafés immer im Kopf haben:

  • Im Zweifel, bei fehlendem Wissen oder Werkzeug wird eine Reparatur nicht durchgeführt. In einem Reparatur-Café gibt es keinen Anspruch auf eine (erfolgreich) durchgeführte Reparatur.
  • Für die Reparatur werden nur Werkzeuge/Geräte verwendet, die in einem einwandfreien Zustand sind.

Tipp: Der Verbund der Offenen Werkstätten hat eigens für ehrenamtliche Reparaturinitiativen eine Jahreshaftpflicht für ca. 100 Euro pro Jahr ausgehandelt. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft im Verbund. Die Mitgliedergebühr beläuft sich in 2018 auf 15 Euro/Jahr. Mehr Informationen findet ihr hier.

Regeln, Abläufe und Haftungsansprüche

Die Regeln und Abläufe eures Reparatur-Cafés sowie die Sicherheitsmaßnahmen und die geltenden Haftungsansprüche müsst ihr euren Gästen klar kommunizieren. Ihr Einverständnis solltet ihr per unterschriebenem Formular einholen.

Sonderfall: Reparatur von Elektrogeräten

Für die Reparatur von Elektrogeräten gelten in Deutschland strenge Vorschriften. Elektroreparaturen erfordern im Gegensatz zu anderen Reparaturen erhöhte Sicherheitsvorschriften. Die Reparatur von Elektrogeräten sollte nach festgelegten Standards erfolgen und bei erfolgter Reparatur sind die Geräte elektrotechnisch zu prüfen. Die Prüfung sollte protokolliert werden und als Prüfprotokoll im Reparatur-Café gesammelt werden. Die Prüfung erfolgt nach DIN Norm (DIN VDE 0701-0702 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderung für die elektrische Sicherheit)  und sollte durch eine entsprechend qualifizierte Person und mit dem richtigen Mess- und Prüfgerät erfolgen.

Weitere Hinweise zur korrekten Prüfung von Elektrogeräten sowie Vorlagen zur entsprechenden Dokumentation sind auf den Seiten des Netzwerks Reparatur-Initiativen zu finden.

Sicherheit am Arbeitsplatz

Um Gefahren zu vermeiden müsst ihr auf eine sichere Arbeitsumgebung achten. Sind lose Kabel gut am Boden verklebt und stellen keine Stolperfalle dar? Gibt es einen Fehlerstrom-Schutzschalter? Wie eine sichere Umgebung insbesondere für Elektroreparaturen aussehen sollte, findet ihr auf den Seiten des Netzwerks Reparatur-Initiativen unter Praxistipps.

Hygiene und Kuchenbüfett

Unabhängig davon, wie oft ihr in eurem Reparatur-Café Kuchen anbietet, müsst ihr auf eine gute persönliche Hygiene und Lebensmittelhygiene achten. Bei Kuchenspenden sollte auf Produkte mit nicht erhitzten tierischen Produkten verzichtet werden, die einer Kühlung bedürfen (z.B. frische Sahne). Die Spenden, also durchgebackene Kuchen, sollten in verschließbaren Behältern abgegeben und präsentiert werden. Die freiwilligen Bäcker/-innen sollten außerdem zu ihrer Spende das Rezept bzw. die verwendeten Zutaten notieren und die Informationen auslegen.

Wichtig: Kontaktiert im Vorfeld immer die amtliche Lebensmittelüberwachung vor Ort. Eine Liste der 51 Lebensmittelüberwachungsämter bzw. Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter der Kreisbehörden in NRW findet ihr hier.
 

So macht ihr euer Reparatur-Café bekannt

Gute Öffentlichkeitsarbeit und zielgerichtete Werbung sorgen dafür, dass Gäste auf eure Reparatur-Initiative aufmerksam werden. Zusätzlich erfahren so weitere Akteure, die euch materiell oder finanziell unterstützen möchten, von der Initiative.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Kanäle, die Öffentlichkeit zu informieren:

  • Direkte Ansprache: Informiert Freunde und Bekannte im persönlichen Gespräch über eure Neugründung.
  • Soziale Medien: Nutzt soziale Medien wie um euer Reparatur-Café bekannt zu machen.
  • Flyer und Plakate: Erstellt Flyer und Plakate, um die Nachbarschaft und die Anwohner der Stadt oder des Bezirks auf euer Engagement aufmerksam zu machen.
  • Pressemitteilung: Tretet an die lokale Presse heran und verfasst eine Pressemitteilung. Die meisten Lokalzeitungen berichten gerne über bürgerschaftliches Engagement vor Ort. Tipp: Die Eröffnung ist immer ein guter Aufhänger.
  • Infoabend: Bietet einen Infoabend an, bevor ein erster Termin stattfindet. Er dient dazu, dass sich euer Team weiteren Interessierten vorstellen kann. Ladet Vertreter aus umliegenden Reparatur-Cafés ein, sodass sie von ihren Erfahrungen erzählen können. Weitere mögliche Unterstützer, z.B. Vertreter aus paritätischen oder Umweltverbänden, sollet ihr ebenfalls einladen und sie so auf die entstehende, ehrenamtliche Initiative aufmerksam machen.

Hinweise für den Umgang mit Pressevertretern und konkrete Tipps zum Schreiben einer Pressemitteilung findet ihr auf der Seite Wie kommt unsere Initiative in die Medien?
Viele nützliche Hinweise zum Themenkomplex Öffentlichkeitsarbeit bietet das Entwicklungspolitische Netzwerk Hessen (EPN Hessen) e.V.

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