Einstieg ins Reparieren geht auch online

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Reparatur-Cafés online durchführen? Für viele Engagierte, die am digitalen Thementreff des MehrWert-Projekts teilnehmen, ist diese Idee zunächst nur schwer vorstellbar. Lohnt sich der Aufwand? Werden dadurch die Menschen erreicht, die etwas repariert haben möchten, und wie soll das Ganze in der Praxis umgesetzt werden?

Teilnehmer:innen des digitalen Thementreffs "Gemeinsam online reparieren"
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"Einfach machen"

Linn Quante, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Netzwerks Reparatur-Initiativen der Stiftung anstiftung, kann diese Bedenken der Engagierten verstehen. In ihrem Impulsvortrag ermutigt sie jedoch die Engagierten: "Natürlich wird ein virtuelles Reparatur-Café niemals ein echtes vor Ort ersetzen, aber eine erste Fehlerdiagnose kann sehr gut über ein virtuelles Zusammentreffen umgesetzt werden. Die erste wirklich große Herausforderung ist es, überhaupt anzufangen."

Wie funktioniert ein Online-Reparatur-Café?

Seit Beginn der Pandemie hilft das Netzwerk der anstiftung Initiativen, die virtuelle Reparatur-Cafés umsetzen möchten. Bei solch einem Café, das in der Regel zwei Stunden dauert, werden die "Kund:innen" zu Reparierenden, die von den erfahrenen Techniker:innen via Online-Konferenz (beispielsweise die Open-Source-Plattform BigBlueButton) Hilfestellungen bekommen, wie sie Dinge wieder funktionstüchtig machen können. "Das ist eigentlich ein positiver Effekt des Ganzen. Menschen müssen noch mehr Verantwortung übernehmen, als sie es in einem ,normalen‘ Reparatur-Café tun und die Sachen selbst reparieren – unter Anleitung", sagt Rüdiger aus Castrop-Rauxel.

Für eine Teilnahme an einem Online-Reparaturtreff bedarf es nur weniger technischer Voraussetzungen: einer stabilen Internetverbindung, PC/Laptop und/oder Smarthone bzw. Tablet mit Webcam, Lautsprecher und Mikrofon. Natürlich können nicht alle Defekte von Laien via Online-Konferenz repariert werden. Für eine Ferndiagnose und "Heim-Reparatur" eignen sich generelle Bedienfehler, mechanische Defekte, Elektroreparaturen bei Geräten mit weniger als 230 Volt, Textilreparaturen und Klebehilfen bei Bruchstellen.

Chancen nutzen – neue Zielgruppen erreichen

In Kleingruppen und im Plenum diskutieren die 29 Teilnehmenden Chancen eines solchen Formats. Dass zum Beispiel neue Zielgruppen mit dem Angebot erschlossen werden können, ist nur eine davon. Auch die weiterhin bestehende Vernetzung unterhalb der Reparierenden zu stärken, ist ein wichtiger Punkt, um die Reparatur-Idee lebendig zu halten – trotz der aktuell schwierigen Corona-Situation.

Am Ende sind sich die Teilnehmenden einig, dass ein virtuelles Reparatur-Café viele Möglichkeiten bietet. "Wenn man das Lächeln sieht, wenn die Gäste ihr repariertes Gerät in der Hand haben, würde ich sagen, dass sich der Aufwand auf jeden Fall lohnt", findet Holger aus Erkelenz. Ob solche Formate auch nach der Pandemie bestehen bleiben werden? "Da wird auf jeden Fall etwas von übrig bleiben", ist Linn Quante überzeugt.

Hier Online-Reparaturhilfe finden
Nächster Termin der anstiftung: "Die Welt reparieren – vor Ort: Kommunen organisieren und unterstützen Reparatur-Initiativen", 22. Juni 2021, 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr

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