CleanUp: Gemeinsam gegen den Müll

Eine Gruppe des Netzwerks „Ratingen nachhaltig“ säubert einmal im Monat Naherholungsgebiete und öffentliche Flächen. Zudem entwickelt sie kreative Aktionen für eine saubere Stadt und die Schonung von Ressourcen.

Eine Gruppe Menschen steht mit Müllsäcken auf einer Wiese
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Auf dem Weg zur Arbeit eine Plastiktüte aufheben, die jemand anderes ins Gebüsch geworfen hat? Oder beim Spaziergang den To-Go-Becher aus dem Rinnstein fischen und im nächsten Mülleimer entsorgen? Für Natalie Linda (30) und Andrea Hagen (55) war das schon länger selbstverständlich. „Ich fühle mich einfach verantwortlich für die eine Welt, die wir haben.“, sagt Andrea Hagen. Und Natalie Linda ergänzt: „Der Wald oder das Meer können sich nicht selbst helfen. Dann muss ich halt eingreifen. Auch wenn’s nicht meine Plastiktüte ist.“

Aus privatem Engagement wurde eine Gruppe

Irgendwann sprachen die Nachbarinnen darüber und entschlossen sich, das Thema „Gemeinsam Müll sammeln“ bei einem Treffen des Netzwerks „Ratingen nachhaltig“ vorzustellen. Seit Anfang 2019 werden im Netzwerk Aktionen umgesetzt, die eine nachhaltige Entwicklung in der 92.000-Einwohner-Stadt voranbringen sollen. „Es hat sich sofort eine Gruppe gebildet. Und auch die Stadt war sehr kooperativ und hat uns Müllpicker und Säcke zur Verfügung gestellt und die Abholung sichergestellt“, erzählen die Initiatorinnen.

Natalie Linda und Andrea Hagen, die Initiatorinnen von Ratingen CleanUp
Die Initiatorinnen von CleanUp Ratingen, Natalie Linda (l.) und Andrea Hagen. Foto: Verbraucherzentrale NRW
„Ich fühle mich einfach verantwortlich für die eine Welt, die wir haben.“

Sofort große Resonanz

Am 28. Juli 2019 startete das erste CleanUp im Naherholungsgebiet Grüner See. Über eine Pressemeldung sowie die Internet- und Facebook-Seite von „Ratingen nachhaltig“ wurde der Termin bekannt gemacht. Die Resonanz war für die Organisatorinnen überwältigend: „Es sind unglaublich viele Leute gekommen, die wir vorher noch nie gesehen hatten. Am Ende waren wir über 40.“ Sporttaucher holten Abfälle aus dem Wasser, Spaziergänger schlossen sich spontan an. Nach zwei Stunden waren säckeweise leere Zigarettenschachteln, Plastikabfälle aller Art, Kronkorken und Zigarettenkippen zusammengetragen.

Fester Stamm von Aktiven

Vier weitere Aufräumaktionen folgten im Gründungsjahr, 2020 soll es nach der Winterpause ab März regelmäßig einmal im Monat weitergehen. Als erstes wird der „Dreck-weg-Tag“ der Stadt unterstützt. „Wir sind jetzt eine feste Gruppe von um die 20 Menschen. Ab 20 Jahre bis Mitte 70 sind alle Altersgruppen dabei“, sagt Natalie Linda, die von Beruf Historikerin und Kulturwissenschaftlerin ist. Auch Andrea Hagen hat als Buchhalterin beruflich nichts mit Abfallentsorgung oder Nachhaltigkeit zu tun. „Aber ich habe schon versucht, bewusst einzukaufen und Müll zu vermeiden“, sagt die 55-Jährige.

Netzwerk. Das Netzwerk „Ratingen nachhaltig“ wurde Anfang 2019 von Julia Merkelbach und Norman Voigt ins Leben gerufen mit dem Ziel, Menschen zusammenzubringen, die sich vor Ort für eine nachhaltige Entwicklung engagieren wollen. Privatpersonen, Vereine, Firmen und auch die Stadt arbeiten im Netzwerk zusammen. Offene Vernetzungstreffen, gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen sowie die Homepage bilden den Kern der Aktivitäten.

Projekte. „Ratingen nachhaltig“ informiert über die 17 globalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) und setzt sich für einen nachhaltigen Konsum, eine klimafreundliche Ernährung und zukunftsfähige Mobilität ein. Regelmäßig werden zum Beispiel Kleidertauschpartys organisiert, die CleanUp-Gruppe ist aktiv gegen Müll, ein Lastenrad-Projekt ist in Arbeit und es werden „Ratinger Tage für Nachhaltigkeit“ geplant.

Vereinsgründung. Im November 2019 wurde der Verein „Ratingen.nachhaltig“ gegründet. Er ist als gemeinnützig anerkannt. Es gibt die Möglichkeit, den Verein als Fördermitglied oder durch Spenden zu unterstützen.

„Positive Emotionen wecken“

Die CleanUp-Gruppe will Denkanstöße geben und alle Ratinger dazu motivieren, sich mit der Abfallproblematik auseinanderzusetzen. „Dabei wollen wir das Thema aber mit positiven Emotionen verknüpfen“, erklärt Natalie Linda. Schließlich erlebe man selbst, wie befriedigend es sei, aktiv zu werden und etwas Sinnvolles zu tun. Deshalb haben sie zum Beispiel die „Neujahrstüte“ entwickelt, die am Jahresende in Geschäften und öffentlichen Einrichtungen ausgelegt wurde. Auf der Banderole um einen blauen Müllsack steht: „Deine 1. gute Tat im neuen Jahr – sammle Feuerwerks-Müll“. Natalie Linda hat das Design entworfen. Die Aufforderung zum Müllsammeln kommt von einem „Mülltütenmännchen“ mit fröhlichem Gesicht. Außerdem organisierte „Ratingen nachhaltig“ im Advent einen Tausch von Weihnachts-Deko und einen Nachmittag, an dem alle Interessierten Grußkarten basteln konnten. „Unsere Botschaft ist: Man muss nicht gleich das große Rad drehen. Fang mit Kleinigkeiten an, die dir leicht fallen. Das wird dann zur Gewohnheit und mit der Zeit kommt immer mehr dazu“, erzählt Andrea Hagen.

CleanUps funktionieren ohne Anmeldung und Verpflichtung

Zu den CleanUp-Aktionen ist keine Anmeldung erforderlich, die Teilnahme ist unverbindlich und auf rund zwei Stunden begrenzt. Die Organisation sei „schon Arbeit“, sagen die Ratingerinnen, aber „zu zweit kann man sich gegenseitig entlasten“. Deshalb ihr Rat an andere, die eigentlich Lust haben sich zu engagieren, aber noch nicht recht wissen wie: „Sucht euch Mitstreiter und macht einfach! Wenn es keine Nachhaltigkeits-Initiative in eurer Stadt gibt, dann fragt im Verein, im Chor, in der Kirche. Greift auf euer privates Netzwerk zurück. Es geht mehr, als man zu Anfang denkt.“

Mehr erfahren:

Weitere Infos zur CleanUp-Gruppe und die Termine der Aufräum-Aktionen findest du auf der Internetseite www.ratingen-nachhaltig.de.

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