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Reparieren in der Schule

Stand:

Im Repair-Café der Freien Aktiven Schulen Wülfrath bringen Schüler, Eltern und Lehrer einmal im Monat kaputte Geräte wieder ans Laufen.

Ein Mann und ein Junge reparieren gemeinsam.
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So darf man sich wohl kreatives Chaos vorstellen: Kisten mit Kabelsalat, ausrangierte PCs und Elektronikbauteile, Rohlinge aus Holz und jede Menge Werkzeug und Maschinen finden sich im sogenannten Makerspace der Freien Aktiven Schulen Wülfrath (FASW). Was 2012 klein begann, ist heute ein auf zwei Räume ausgedehntes Paradies für Bastler und Selbermacher. Und als Technik-Lehrer Mathias Wunderich den Vorschlag zu einem öffentlichen Reparatur-Café machte, stieß er damit im Kollegium sowie bei Schüler- und Elternschaft der Privatschule auf offene Ohren. 

Junge und erfahrene Reparateure arbeiten zusammen

Seit Dezember 2015 wird nun einmal im Monat repariert, was die Besucher so mitbringen. Eine Eltern-Arbeitsgruppe, in der auch einige Großeltern aktiv sind, kümmert sich um Organisation, Kuchenversorgung und handwerklich-technische Unterstützung. „Das sind alles so Knösterpitter, die zuhause immer schon repariert haben“, sagt Ramona Matthews, Leiterin der Eltern-AG. Ein erfahrener Mikro-Elektroniker ist aber auch mit dabei. Dazu kommen regelmäßig sechs bis sieben Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit zum Schrauben, Löten und Tüfteln. „Wenn irgendwas am Ende nicht funktioniert, dann ist das eben so. Aber man findet immer mehr heraus, lernt dazu und bekommt viel wieder hin. Das macht Spaß“, sagt der 13-jährige Felix, der seit Anfang 2018 freitags mitmacht. Dass so viele Geräte auf dem Müll landen, weil sie nicht reparierbar sind oder es die Besitzer gar nicht erst versuchen, findet er nicht gut. „Da sind schließlich jede Menge Ressourcen drin.“

Erfolgsquote bei 70 Prozent

Die Schüler sollen ein technisches Grundverständnis entwickeln, mit den Händen arbeiten und die Erfahrung machen, dass vieles mit wenig Aufwand wieder funktionsfähig gemacht werden kann. Und an diesem Tag gibt es einige Erfolgserlebnisse: Eine ältere Wülfratherin hat ihre Stehlampe mitgebracht, die trotz neu gekaufter Leuchtmittel dunkel blieb. Des Rätsels Lösung: Die Birnen waren kaputt. „Ich habe noch beim Einpacken überlegt, ob ich die Lampe wegschmeiße. Jetzt bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe“, sagt sie. Sie holt gleich noch ein Verlängerungskabel, das mit einem neuen Stecker auch wieder einsatzbereit ist. „Ich werde das Repair-Café gerne weiterempfehlen“, sagt sie zum Abschied. Die Quote der erfolgreichen Reparaturen liegt übrigens bei etwa 70 Prozent.

"Ich bin sehr glücklich, dass mein Notebook wieder geräuschlos läuft!"
Francisco Loriguillo-Gonzales, Besucher
"Ich habe keine Angst davor, etwas auseinanderzuschrauben!"
Uta Wittekind, Mitglied der Eltern-AG
„Wenn es nicht diese Billiggeräte gäbe, gäb’s auch nicht so viel Müll.“
Felix, 13 Jahre

Hilfe zur Selbsthilfe

Francisco Loriguillo-Gonzales schaut derweil zu, wie sein Notebook  aufgeschraubt und der Lüfter gereinigt wird. Dass dieser gelegentlich von Staub und Flusen befreit werden muss, damit das Gerät nicht heiß läuft, war ihm vorher nicht bewusst gewesen. Den Tipp, das schon ein paar Jahre alte Gerät durch den Einbau eines neuen Arbeitsspeichers deutlich flotter zu machen, nimmt er gerne mit. „Das würde ich mir jetzt auch selbst zutrauen“, meint er.

Beispiel kann Schule machen

An der Wülfrather Privatschule zieht sich das Thema Nachhaltigkeit durch den gesamten Schulalltag – von ökologischen Baumaterialien für die Gebäude bis zu bio-regionalen Lebensmitteln in der Mensa. Das zeitliche und finanzielle Engagement der Eltern machen auch einen Schulgarten und andere Aktivitäten möglich. Das Thema Selbermachen und praktisches Lernen sollte aus Sicht von Mathias Wunderlich, der auch schon an einer Regelschule ein Repair-Café aufgebaut hat, generell Schule machen. Denn für ihn ist das eine Frage der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. 

Weitere Informationen

→ Über den Makerspace der Freien Aktiven Schulen Wülfrath (FASW) unter fasw.de/repaircafe    
→ Lust, selbst ein Reparatur-Café ins Leben zu rufen oder bei einem bestehenden mitzumachen? In unserem Engagement-Werkzeugkasten gibt es Tipps zur Gründung
→ Reparatur-Initiativen aus ganz NRW sind zu finden auf unserer interaktiven Karte.

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