Kommunale Hilfe beim Engagement für Nachhaltigkeit gefragt

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Nachhaltiger Konsum und Klimaschutz stehen bei den Menschen in Nordrhein-Westfalen nicht nur in Gedanken hoch im Kurs. Bürgerinnen und Bürger setzen sich in ihrem Umfeld auch praktisch dafür ein und begrüßen hierbei kommunale Hilfe. So lautet das Ergebnis einer schriftlichen Befragung von Initiativen.

Das MehrWert-Projekt der Verbraucherzentrale NRW wollte dabei von aktiven Gruppen erfahren, wie sich ihr bürgerschaftliches Engagement speziell für Nachhaltigkeit in Nordrhein-Westfalen entwickelt.

Ein Aufsteller "Nachhaltigkeit gemeinsam gestalten", dahinter Menschen, die sich unterhalten
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Repair-Café oder Gemeinschaftsgarten: 646 Gruppen in NRW aktiv

Im Mittelpunkt der Erhebung standen Gruppen und Initiativen, die sich für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln und begrenzten Ressourcen einsetzen – beispielsweise Foodsharing-Gruppen, Reparatur-Cafés, Gemeinschaftsgärten, Tauschringe, Upcycling-Initiativen und Lastenrad-Verleihe.  646 dieser Initiativen sind laut Erhebung des Projekts aktiv, dieses Engagement findet sowohl in Großstädten, als auch in kleinen und mittleren Gemeinden statt. In der Umfrage wurden die Gruppen primär zu ihrem Engagement, zur Zahl ihrer Mitglieder und zur Zusammenarbeit mit ihrer jeweiligen Kommune befragt. Die anonyme schriftliche Befragung fand zwischen Oktober und Dezember 2019 statt. 137 Initiativen (21,2 Prozent der Angeschriebenen) nahmen daran teil.

Mehr Gruppen seit 2014

Zentrales Ergebnis: Die Rückmeldungen belegen einen Gründungsboom in den vergangenen sechs Jahren: Drei von vier Gruppen (konkret 102), die sich an der Umfrage beteiligt haben, wurden seit 2014 oder später ins Leben gerufen. Meist sind es kleine Gemeinschaften von etwa 20 Aktiven. Einige größere Organisationen umfassen jedoch auch mehrere hundert Mitglieder. Im Schnitt engagieren sich 45 Personen regelmäßig in einer Initiative. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Gruppen verzeichnete im letzten Jahr einen leichten oder sogar deutlichen Zuwachs. Bei jeder zehnten Initiative gab es einen leichten Rückgang. 

Initiativen verbreiten nachhaltige Praktiken in der Gesellschaft

„Die Initiativen stehen in der Regel allen Bürgern offen und ermöglichen es damit breiten Teilen der Bevölkerung, nachhaltige Praktiken kennenzulernen und auszuprobieren. Beispiel Reparatur-Cafés: Dort helfen ehrenamtliche Reparateure dabei, Dinge wieder funktionstüchtig zu machen anstatt sie wegzuwerfen – ein wichtiger Beitrag zum Ressourcenschutz“, erläutert Jonas Grauel, stellvertretender Leiter des Projekts „MehrWertKonsum“, die Idee, die die Initiativen um- und antreibt. Gemeinschaftsgärten etwa geben Wissen zum Anbau alter Obst- und Gemüsesorten weiter und setzen sich so für die Wertschätzung von Lebensmitteln ein. Fahrrad-Initiativen machen konkrete Angebote für klimafreundliche Transporte in der Stadt, indem sie kostenlos Lastenräder zur Verfügung stellen. „Solche Aktivitäten erleben 9 von 10 der Befragten als sinnstiftend. Die meisten sind davon überzeugt, dass ihre Initiative einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz vor Ort leistet“, so Grauel weiter.

Kommunen sind wichtige Ansprechpartner

56% der Initiativen wünschen sich mehr Unterstützung von ihrer Kommune

Allerdings wünschen sich 56 Prozent der auskunftsbereiten Initiativen mehr Unterstützung und Anerkennung von ihrer Kommune für ihr Engagement in der Gesellschaft. „Gefragt wäre eine stärkere Unterstützung, wenn es um Genehmigungen, Raumsuche, finanzielle Förderung oder den Wunsch nach Kooperation geht“, erklärt Grauel.

Die jeweiligen Anliegen sind durchaus unterschiedlich: So benötigten Lastenrad-Verleihe Abstellmöglichkeiten für Räder und Förderungshilfen bei der Anschaffung. Gemeinschaftsgärten benötigten Bodengutachten oder Wasseranschlüsse. CleanUp-Gruppen freuten sich hingegen über Entsorgungsmöglichkeiten des gesammelten Mülls. „Bürgerschaftliches Engagement kann dazu beitragen, dass Städte und Gemeinden ihre Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele erreichen. Feste Ansprechpartner und Koordinatoren in der Verwaltung helfen den Initiativen enorm, ihr Anliegen bei der jeweiligen Kommune vorzubringen.“

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