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Kein Essen für den Müll

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An der Remscheider Sophie-Scholl-Gesamtschule wollen die Schüler-AG Nachhaltigkeit und der Mensaverein gemeinsam erreichen, dass beim Mittagessen weniger Abfälle übrigbleiben. Das MehrWert-Projekt unterstützt sie dabei. 

Drei Schülerinnen messen Abfälle in der Mensa
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Montags, mittwochs und donnerstags geht es in der Mensa der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Remscheid so richtig rund. Das sind die langen Schultage, an denen besonders viele Kinder und Jugendliche das Mittagsangebot nutzen. Aber wie viel bleibt von den zubereiteten Speisen am Ende übrig? Woran liegt es, wenn die Teller nicht leer gegessen werden? Und was kann man tun, damit weniger in die Tonne wandert? Das wollen die Nachhaltigkeits-AG der neunten Jahrgangstufe und der Mensaverein mit Unterstützung des MehrWert-Projekts jetzt ganz genau wissen. An zehn Tagen wird deshalb erfasst, was die Küche produziert und was nach dem Essen in der Speisenausgabe und auf den Tellern zurückbleibt. Zusammen mit einer Analyse des Speiseplans ergeben sich daraus erste Hinweise, wie Abfälle vermieden, das Budget des Mensavereins entlastet und Umwelt und Klima geschont werden können. 

Schülerinnen haben Interviewbögen entwickelt

„Je weniger man wegwirft, desto weniger unnötige Kosten“, bringt es Marga Bartel-Förster, Geschäftsführerin des von Eltern gegründeten Mensavereins, auf den Punkt. Genauso wichtig ist ihr aber auch, „dass es im Kopf der Kinder Klick macht“. Sie sollen verstehen, dass Lebensmittel zu wertvoll für den Müll sind und „dass sie selbst etwas tun können“. Die acht Schülerinnen aus der Nachhaltigkeits-AG, die heute das MehrWert-Projekt kennenlernen, braucht davon niemand mehr zu überzeugen. Sie haben die Abfälle in der Mensa gesehen und bereits Interviewbögen entwickelt, um von ihren Mitschülerinnen und -schülern zu erfahren, was sie liegenließen und warum. Auch was eine klimafreundliche Ernährung ausmacht, ist ihnen bewusst: „Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse“, zählen sie auf. Einige der Mädchen haben sich schon für eine rein vegetarische Ernährung entschieden. „Ist auch besser für die Gesundheit“, sagen sie.  

Einmal in der Woche ist „Veggieday“

Aber nicht jedem schmeckt der Verzicht auf Fleisch, wissen sowohl die Schülerinnen als auch die Mensa-Geschäftsführerin. Der Einzelpreis für das Essen beträgt zurzeit 3,70 Euro. In verschiedenen Abo-Varianten gibt es Rabatt. Dafür stehen jeweils ein Gericht mit Fleisch, ein vegetarisches Angebot sowie meist eine Nudelbar und immer ein Salatbuffet zur Auswahl. Einmal pro Woche ist „Veggieday“, immer an einem anderen Tag. „Wir haben das vor einiger Zeit eingeführt und keiner hat sich darüber beschwert“, berichtet Marga Bartel-Förster. Doch wie kann man möglicherweise auch überzeugte Fleischesser von noch mehr Gemüsekost überzeugen? „Gemüse-Nuggets statt Gemüse-Eintopf“, lautet ein Vorschlag der Schülerinnen, überhaupt mehr „coole“ Gerichte und vielleicht auch mal vegetarische Fleischersatz-Produkte wie Burger-Patties aus pflanzlichen Zutaten. 

Gruppenfoto: acht Schülerinnen

V.l.: Betül, Joline, Melda, Alina, Fiona, Elif, Beyca, Elisa - die Nachhaltigkeits-AG der neunten Jahrgangstufe 

Eine Schale mit Broccoli wird gewogen

An zehn Tagen wird erfasst, welche Speisen die Küche in welchen Mengen produziert.

Essensausgabe in einer Mensa

Die Essensausgabe der Mensa in der Sophie-Scholl-Gesamtschule

Essensreste werden gewogen

In einem durchsichtigen Behälter werden die Tellerreste gesammelt und gewogen.

Zwei Frauen in einer Schulmensa

Petra Zimmerlin, Lehrerin und Leiterin der Nachhaltigkeits-AG, und Marga Bartel-Förster, Geschäftsführerin des von Eltern gegründeten Mensavereins (v.l.) 

Eine Schülerin liest einen Speiseplan

Woran liegt es, wenn die Teller nicht leer gegessen werden? Und was kann man tun, damit weniger in die Tonne wandert? 

Thema Abfallvermeidung im Mensaalltag verankern

Im ersten Schritt wird nun aber erst einmal auf die Abfälle geschaut. Bereits im Forschungsprojekt REFOWAS (Reduce Food Waste) hatte die Schule gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW Lebensmittelabfälle erfasst und ausgewertet. Kleinere Kellen und mehr Kommunikation in der Essensausgabe waren zwei der umgesetzten Maßnahmen. „Die Kleinen aus der 5 essen ja nicht so viel wie ein 16-Jähriger, der auch zwei Portionen verputzen kann“, so Marga Bartel-Förster. Aber so richtig gelang es nicht, das Thema im Mensaalltag zu verankern. Das soll nun geschehen – „und dabei seid ihr ganz wichtig. Ihr seid die Multiplikatoren für eure Mitschüler“, sagt Petra Zimmerlin zu den Schülerinnen der Nachhaltigkeits-AG. Zimmerlin ist Ansprechpartnerin für die Schulverpflegung, die bei der Sophie-Scholl-Gesamtschule auch im Schulprogramm verankert ist, und begleitet die MehrWert-Aktion.

In einem durchsichtigen Behälter werden die Schülerinnen an zehn Verpflegungstagen die Tellerreste sammeln und mit einer elektronischen Waage grammgenau auswiegen. Das Küchenteam erfasst zugleich alle Speisen, die in die Ausgabe kommen sowie das, was nach dem Mittagessen übrig ist, säuberlich getrennt nach Komponenten wie Soße, Fleisch oder einzelnen Beilagen. Mit Hilfe des Auswertungs-Tools „Küchenmonitor“ wird das MehrWert-Projekt diese Daten analysieren und der Schule Rückmeldung geben, was verbessert werden kann.

Die Nachhaltigkeits-AG hat schon viele Ideen, um das Thema schulintern bekannt zu machen, etwa durch eine Fotodokumentation in der Mensa, Poster fürs Klassenzimmer oder Vorträge über Lebensmittelverschwendung. Weniger Abfälle und mehr Klimaschutz in der Schulverpflegung – die „Sophie-Scholl“ hat sich auf den Weg gemacht.  

Verpflegung an der Sophie-Scholl-Gesamtschule Remscheid

  • Mensaverein. Der Mensaverein wurde 1995 aus einer Elterninitiative gegründet mit dem Ziel, an der Schule ein gesundes und schmackhaftes Essen zu sozialen Preisen anzubieten. Der gemeinnützige Verein ist Arbeitgeber des Küchenpersonals. Etwa 370 Essen werden an den langen Schultagen Montag, Mittwoch und Donnerstag ausgegeben, dienstags und freitags sind es weniger. Der Mensaverein würde gerne noch mehr junge Gäste bewirten – 1350 Schülerinnen und Schüler besuchen die Gesamtschule.
     
  • Speiseplan. Es gibt täglichen vier Gerichte, die im Einzelverkauf zurzeit 3,70 Euro und im Fünfer-Wochen-Abo 3,24 Euro pro Tag kosten. Ein Gericht ist immer vegetarisch, eines ohne Schweinefleisch. Jeder Gast erhält kostenlos Tafelwasser. Idealerweise sollen die Esser sich anmelden und vorbestellen. Das geht online, per App und an einem elektronischen Terminal.  
     
  • Müsli- und Snackbar. Von Schülerinnen und Schülern betreut werden eine Müsli- und eine Snackbar. An einem Verkaufswagen gibt es diverse Cerealien. Das Snack-Bar-Team bereitet in der Frühstückspause Vollkornwaffelteig und vegetarisch gefüllte Vollkornwraps für den Verkauf in der Mittagspause vor. Die „Müsli-OMA“ (Offenes Mittagsangebot) beliefert die Snack-Bar mit Bananenbrot und Muffins.
     

Bild oben: Die Schülerinnen Melda, Elif, Elisa (v.l.) wiegen Abfälle.

Das Projekt

Gemeinsam mit Schulen ihren Verpflegungspartnern wie Caterern und Mensavereinen entwickelt das Projekt MehrWertKonsum jeweils passgenaue Ansätze für ein attraktives, abfallarmes und klimafreundliches Verpflegungsangebot und stellt begleitende Bildungsangebote zur Verfügung.

Mehr dazu unter www.mehrwert.nrw/gemeinschaftsverpflegung

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