Fachgespräch "Nachhaltige Beschaffung in Kita- und Schulverpflegung"

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Mit Teilnehmenden aus Verwaltung, Politik und Praxis wurde diskutiert, wie im Ausschreibungs- und Vergabeprozess Einfluss auf eine nachhaltige und klimafreundliche Verpflegung genommen werden kann.

Tablett in einer Schulmensa
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Kommunen können mit Ausschreibungen für die Kita- und Schulverpflegung großen Einfluss auf die Qualität und Nachhaltigkeit des Speiseangebots sowie auf die Menge der Speiseabfälle nehmen.

Mit entsprechenden Kriterien in Ausschreibungen kann zum Beispiel der Anteil an Bio-Lebensmitteln festgelegt oder bestimmt werden, wie viel Fleisch auf die Teller kommt. Voraussetzung für eine flächendeckende Umsetzung ist eine neue Beschaffungskultur, die auf kommunalen Zielsetzungen und Beschlüssen basiert.

In einem Fachgespräch, zu dem das Projekt MehrWertKonsum eingeladen hatte, diskutierten Expertinnen und Experten aus kommunaler Verwaltung, Politik und Praxis, wie eine nachhaltige Beschaffung in Bezug auf das Essen in Kita und Schule konkret umgesetzt werden kann. Der Austausch fand online und als Beitrag zur bundesweiten Aktionswoche "Deutschland rettet Lebensmittel" statt.  

Mehr bio, saisonal und fair trade: Berliner Musterausschreibung als Praxisbeispiel

Tabitha Triphaus von der Christlichen Initiative Romero (CIR) Münster gab zu Beginn einen Einblick in die sozial-verantwortliche öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln am Beispiel von Berlin. Dort enthält die neue Musterausschreibung für die täglich rund 165.000 Mittagessen an Grundschulen erstmals Kriterien des fairen Handels: Ananas, Reis und Bananen müssen aus fairem Handel stammen.

Vorausgegangen war ein Bieterdialog im August 2019, der auch Cateringunternehmen und Großhandel mit ins Boot holte und von der CIR begleitet wurde. Die neue Ausschreibung enthält zudem Vorgaben zu Bio- und saisonalen Lebensmitteln sowie zur Abfallvermeidung.

Vergaberecht und Qualitätskontrolle thematisiert

Was bei einer angestrebten nachhaltigen Verpflegung aus vergaberechtlicher Sicht zu beachten ist, beleuchtete Professor Christopher Zeiss von der Hochschule für Polizei und Verwaltung Bielefeld. Der Vergabeexperte ging insbesondere auf das Thema Leistungsverzeichnis ein. Anschließend standen Möglichkeiten der Qualitätskontrolle im Fokus.

Vorgestellt wurde zum einen die Berliner "Qualitätskontrollstelle Schulmittagsessen", zum anderen stellte Holger Pfefferle von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, Bonn) Kriterien und Kontrollmechanismen für die DGE-zertifizierte Gemeinschaftsverpflegung vor.

"Kompetenzstelle nachhaltige Beschaffung" könnte ausschreibende Träger unterstützen

Nach jedem fachlichen Input war Gelegenheit zu Diskussion und Erfahrungsaustausch. Einig war sich die Runde am Ende, dass eine nachhaltige Beschaffung einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Klimaschutz leistet und daher Strukturen geschaffen werden sollten, um eine nachhaltige Beschaffung zu fördern. Denn eine Online-Umfrage des Forschungsprojekts ReFoWas (Reduce Food Waste) hat ergeben, dass es ausschreibenden Trägern häufig an ausreichenden Kapazitäten sowie Wissen und Erfahrungen im Umgang mit Nachhaltigkeitskriterien fehlt. Dies führt zwangsläufig zu Schwierigkeiten bei der Formulierung der Anforderungen im Leistungsverzeichnis.

Eine Lösung sahen die Expertinnen und Experten in der Einrichtung einer Kompetenzstelle. Diese hätte die Aufgabe, Ausschreibende zu beraten, durch Fortbildungsangebote zu schulen und praxisgerechte Hilfestellungen zur Verfügung zu stellen. 

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