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Mit viel Ehrgeiz wird Kaputtes wieder funktionsfähig

Das Reparatur-Café in Duisburg-Friemersheim öffnete im Rahmen der MehrWert-Aktion „NRW repariert“.

Zwei Männer reparieren eine Kaffeemaschine.
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Klaus Hanenberg (l.) und Jochen Hammer bemühen sich im Friemersheimer Reparatur-Café um eine defekte Kaffeemaschine.

Irgendwo da unten muss sie sein. In einer Art engem Plastikröhrchen. Klaus Hanenberg leuchtet mit einer Taschenlampe hinein, wählt ein Feinmechaniker-Werkzeug, das so gerade passt, und fummelt schließlich mit Hilfe einer Pinzette eine kleine Schraube aus dem Fuß der Kaffeemaschine. „Hier sehen Sie es, die sollen sie gar nicht aufkriegen“, sagt er. Denn das Schräubchen stimmt zu allem Überfluss nicht überein mit den beiden anderen, die er zuvor aus den vorderen Verschlüssen des Markengeräts entfernt hat. In einem normal ausgestatteten Haushalt wäre vermutlich schon beim ersten Versuch, das Gehäuse der defekten Kaffeemaschine zu öffnen, Schluss gewesen.

Jede Menge Werkzeug und Erfahrung

Im Reparatur-Café in Duisburg-Friemersheim allerdings ist man auf solch Tücken inzwischen vorbereitet. Jede Menge Werkzeuge und viel Erfahrung sind im Spiel, wenn die zehn bis zwölf ehrenamtlichen Reparateure einmal im Monat aus Kaputtem wieder etwas Funktionierendes machen wollen. Für Klaus Hanenberg ist das ein Hobby im Ruhestand. Der 64-Jährge hat als Elektrotechniker Firmen „verkabelt“ und große Werkzeugmaschinen repariert. An diesem Tag landen erst ein Toaster und dann die besagte Kaffeemaschine auf „seinem“ Tisch. Gemeinsam mit Jochen Hammer macht er sich ans Werk. Das Gerät heize nicht, sondern schalte sich immer selbst aus, berichtet die Besitzerin. Die Reparateure haben die Ursache schnell gefunden, nachdem sie mühevoll zum Innenleben der Maschine vorgedrungen sind. Der Sicherheitsschalter habe abgeschaltet, nachdem das Gerät einmal zu heiß geworden sei, erklärt Hanenberg. Eigentlich eine gute Sache, um einen Brand zu verhindern. Doch nun ist der Schalter hin. „Für drei bis vier Euro bekommen Sie das Teil neu“, sagt der Duisburger und nennt der Frau gleich noch einen Händler, bei dem sie das Ersatzteil bekommen kann. Eine positive Nachricht, auch wenn sie die Maschine erst einmal wieder mitnehmen und beim nächsten Termin wiederkommen muss. Dass sie den Reparateuren nichts bezahlen muss, sondern auf das große Glas mit der Aufschrift „Spenden“ verwiesen wird, erstaunt die Rheinhausenerin sichtlich. Es ist offenbar ihr erster Besuch im Reparatur-Café, das seit Oktober 2016 regelmäßig im Begegnungs- und Beratungszentrum des DRK öffnet.

Eine Initiative der „Nachbarschaft Friemersheim“

Wolfgang Grimm ist einer der Initiatoren aus dem Kreis des Vereins „Nachbarn helfen – Nachbarschaft Friemersheim“ und des örtlichen Familienbündnisses. „Wir wollen hier für den Stadtteil etwas bewirken“, erklärt er die Motivation. Der 66-Jährige organisiert die Reparatur-Termine und führt beispielsweise auch die Statistik. 20 bis 25 kaputte Dinge würden jeweils gebracht, die Erfolgsquote sei gut. Der ausgebildete Elektromechaniker repariert auch selbst mit. „Ich bin Hobby-Bastler, mache auch Zuhause vieles selbst und habe einfach den Ehrgeiz, Kaputtes wieder ganz zu machen“, sagt er. Umso mehr ärgert es ihn, dass die Kosten für viele Ersatzteile „in keinem Verhältnis zu Neukauf“ stünden.

Müllvermeidung und Hilfe für Menschen mit geringem Budget

Anderen zu helfen, die weder über einen dicken Geldbeutel noch über die nötigen Fähigkeiten verfügen, treibt auch Klärelore Noll an. „Nähen ist mein Ding“, sagt sie. Beim Sonderöffnungstermin, den das Friemersheimer Reparatur-Café im Rahmen der MehrWert-Aktion „NRW repariert“ eingeschoben hat, kommen sie und ihre Nähmaschine jedoch zunächst nicht zum Einsatz. Dafür ist Zeit für Kaffee und Kuchen, die das DRK-Café zu günstigen Preisen in einem anderen Raum des Begegnungszentrums anbietet. Dort können auch die Besucher warten, nachdem sie sich bei Cornelia Lamberti angemeldet und einen „Laufzettel“ erhalten haben. Denn kaum hat das Reparatur-Café geöffnet, steht schon eine ganze Reihe von Menschen im Gang. Jeder erhält eine Nummer, damit alles geregelt abläuft. Cornelia Lamberti und ihr Mann sind über eine Zeitungsmeldung darauf aufmerksam geworden, dass für ein Reparatur-Café Helfer gesucht würden. Eigentlich wollte die 57-Jährige nur als Begleiterin mitkommen, doch jetzt managt sie den Empfang. „Das ist eine gute Sache“, sagt sie und lächelt, „denn ich sehe auch nicht ein, Sachen wegwerfen und neu kaufen zu müssen, wenn sie mal kaputt sind.“

Weitere Informationen und die Öffnungszeiten finden Sie auf der Website der Initiative

Wo gibt es welche Initiativen in NRW? Die Übersichtskarte von MehrWert NRW hilft beim Suchen, Finden und Mitmachen.

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