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Große Beteiligung an Tagung „Lebensmittel wertschätzen"

Stand:
  • Was bedeutet Wertschätzung von Lebensmitteln für Erzeuger und Verbraucher? Wie lassen sich Verschwendung und Nahrungsmittelverluste vermeiden? Welche Schritte tragen dazu bei, die im UN-Nachhaltigkeitsziel 12 geforderten „Nachhaltigen Konsum- und Produktionsmuster“ zu erreichen?
  • 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten darüber am 7. Juni 2018 bei der Tagung „Lebensmittel wertschätzen – vom Acker bis zum Teller“, zu der die Verbraucherzentrale NRW im Rahmen des EU- und landesgeförderten Projekts MehrWert NRW eingeladen hatte.
  • In Vorträgen und Diskussionsforen kamen die Perspektiven von Politik, Landwirtschaft, Verbrauchern und Nachhaltigkeitsinitiativen ebenso zur Sprache wie Impulse und gute Beispiele aus der Zivilgesellschaft.
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Die Referenten
(von links): Professor Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Ulrike Schell, Mitglied der Geschäftsleitung der Verbraucherzentrale NRW, Verbraucherzentralen-Vorstand Wolfgang Schuldzinski,  Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, Daniela Baum, Referentin Germanwatch e.V. und RENN.west und Ministerialdirektor Michael Hülsenbusch, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW. Foto: Daniel Gebauer

„Wir möchten mit der Veranstaltung deutlich machen, dass alle Akteure der Wertschöpfungskette gefordert sind, konkrete Maßnahmen und Aktionen umzusetzen, um zum Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele beizutragen. Die Wertschätzung von Lebensmitteln ist hierfür ein wichtiger Schlüssel“, sagte Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, in seiner Begrüßung. Lebensmittelwertschätzung bedeute im engeren Sinne, den „innewohnenden Wert“ von Lebensmitteln zu erkennen und entsprechend respektvoll mit ihnen umzugehen. Die Herausforderungen, die die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie benennt, reichten jedoch darüber hinaus: Die Natur intakt zu halten, natürliche Ressourcen zu schonen sowie Menschenrechte und Sozialstandards zu achten und den Handel fair zu gestalten erfordere verstärkte Bemühungen auf allen Ebenen der Gesellschaft.

Wesentliche Instrumente aus Sicht der NRW-Landesregierung sind die Förderung von Vernetzung und Dialog, die Unterstützung von Projekten aus Wissenschaft und Forschung sowie die Verbraucherbildung, erläuterte Ministerialdirektor Michael Hülsenbusch, Abteilungsleiter im Ministerium für  Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MULNV). „Lebensmittel werden heute häufig gedankenlos gekauft und landen ebenso gedankenlos im Müll“, so Hülsenbusch. Pro Person würden in Nordrhein-Westfalen jährlich mindestens 23 Kilogramm vermeidbare Lebensmittelabfälle weggeworfen, zitierte er aus einer aktuellen Studie. „Das ist eine Verschwendung von Ressourcen und eine volkswirtschaftliche Fehlleistung“, sagte Hülsenbusch.

„Wir leben in einer Welt von Überkonsum. Wer, wenn nicht wir, kann Lebensmittelabfälle drastisch reduzieren?“, fragte Professor Günther Bachmann, Generalsekretär Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Bei uns könnten sich bürgerschaftliches Engagement und Politik verbinden, um gemeinsam Ziele zu erreichen. Neue Allianzen seien erforderlich, viele kleine Zeichen nötig, um das Thema Nachhaltigkeit in den Mainstream zu bringen.

Für Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, ist Regionalität die Chance, die Wertschöpfung im Land zu halten und zugleich die Arbeit der Landwirte wertzuschätzen. Er kritisierte Anforderungen und Güteklassen, die es Landwirten unmöglich machten, „unperfekte“ Produkte in den Handel  zu bringen. „Wir brauchen eine Kultur der Wertschöpfung.“

Praxisbeispiele aus NRW

Wie diese „Nachhaltigkeits-Kultur“ gefördert werden kann und welche Ansätze es in NRW dazu bereits gibt, stand am Nachmittag im Mittelpunkt. Ein beeindruckendes Beispiel lieferte Justin Knigge, Botschafter von Foodsharing Düsseldorf. Allein am Vortag der Tagung habe die Gruppe, in der mehr als 400 Menschen ehrenamtlich aktiv sind, sieben Tonnen Lebensmittel vor dem Abfall bewahrt. Rund 50 Supermärkte, Bäckereien und Landwirte kooperieren mit den Düsseldorfer Lebensmittelrettern.

Einen anderen Weg, nicht verwendete Nahrungsmittel doch noch an Konsumenten zu bringen, hat Nicole Klaski in Köln gefunden. Sie gründete „The good food“. Dahinter verbirgt sich ein inzwischen an sechs Tagen in der Woche geöffneter Laden, in dem gespendete Lebensmittel oder die Nachernte von Äckern rund  um Köln angeboten werden. Dabei gibt jeder Käufer, was er für angemessen hält. Dass erst gar nichts von der Ernte übrig bleibt, dafür sorgen bei der Solidarischen Landwirtschaft Dortmund die Mitglieder, die die gesamten Erzeugnisse abnehmen. Gewirtschaftet wird in enger Kooperation mit einem Landwirt.

Engagierte Diskussionen in vier Themenforen

Nähe schafft Vertrauen und Wertschätzung, davon ist auch Landwirt Peter Zens  überzeugt. Er stellte sein Konzept in einem der vier Diskussionsforen der Tagung vor. Mit seiner Familie hat er den Gertrudenhof in Hürth bei Köln zu einem Erlebnisbauernhof ausgebaut. Unter anderem gibt es dort 1000 Führungen im Jahr für Kindergartenkinder und Schulgruppen. „Wir müssen umdenken, Bewusstsein schaffen beim Verbraucher“, sagte Zens, der auch ein Mitbegründer des Ernährungsrates Köln ist.

Wird ein solches Engagement denn auch belohnt – finanziell und ideell, fragte Jutta Kuhles, 1. Vizepräsidentin des Rheinischen LandFrauenverbands, die das Diskussionsforum „Neue Konzepte für die Landwirtschaft: ökonomisch und nachhaltig machbar?“ moderierte. „Reich werde ich damit nicht“, so Zens. Jedoch erfahre er sowohl durch die Begeisterung der Kinder als auch durch die erfolgreiche Vermarktung seiner Produkte Anerkennung.

Philosophischer Rück- und Ausblick zum Ausklang

„Wertschätzung und billig, wie geht das zusammen?“, „Das Engagement von unten – ein Beitrag zu mehr Wertschätzung von Lebensmitteln?“ und „Alles anders oder doch wie früher? Gehen junge Leute achtsamer mit Lebensmitteln um?“ – unter diesen Leitfragen fand auch in den weiteren Foren ein engagierter Austausch statt. Bernd Draser, Philosoph und Lehrbeauftragter an der ecosign/Akademie für Gestaltung Köln, fasste die Ergebnisse des Tages in seinem „Vorausschauenden Rückblick“ schließlich auf ganz besondere Weise zusammen. Es seien inspirierende Ansätze gefunden worden, die Wertschätzung für Lebensmittel zu erhöhen.

„Lassen Sie uns diese Gespräche fortführen und in Kontakt bleiben, tragen Sie die Ergebnisse und Impulse weiter“, sagte zum Abschied Ulrike Schell,  Mitglied der Geschäftsleitung der Verbraucherzentrale NRW.
 

Die Tagung in Bildern

Gruppenbild der Referenten

Die Referenten des Vormittags (von links: Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Ulrike Schell, Mitglied der Geschäftsleitung der Verbraucherzentrale NRW, Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, Daniela Baum, Referentin Germanwatch e.V. und RENN.west, Ministerialdirektor Michael Hülsenbusch, Abteilungsleiter Verbraucherschutz im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW)

 

 

 

 

Publikum im Saal

Gut 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgen im großen Saal die Beiträge der Referenten und die anschließende kurze Diskussionsrunde.

Wolfgang Schuldzinski am Rednerpult

Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, spricht über "Lebensmittel stärker wertschätzen – vom Diskurs zum konkreten Engagement".

Michael Hülsenbusch am Rednerpult

Ministerialdirektor Michael Hülsenbusch, Abteilungsleiter Verbraucherschutz im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW, berichtet über die Wertschätzung entlang der Lebensmittelkette und die Strategien der Landesregierung.

Günther Bachmann am Rednerpult

Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, über nachhaltiges Konsumieren – die Aufgaben und Anforderungen.

Bernhard Conzen am Rednerpult

Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, berichtet über die Wertschätzung von Lebensmitteln aus Sicht der Erzeuger.

Anna Guth, Martin Klug und die Moderatorin auf der Tagungsbühne.

Im Interview: Dr. Martin Klug, Projektleiter Mehrwert NRW, und Anna Guth, Teamleiterin der Initiativenberatung MehrWert NRW

Daniela Baum am Rednerpult

Daniela Baum, Referentin Germanwatch e.V. und RENN.west, berichtet mitsamt Anschauungsmaterial zum Thema "Nachhaltigkeit braucht Netzwerke".

Tagungsgäste unterhalten sich

In der Mittagspause ist genügend Zeit für Gespräche und Netzwerken.

Einige Personen stehen auf einer Terrasse an Stehtischen

Bei sommerlichen Temperaturen trifft man sich auch gerne draußen vor dem Tagungshotel an Stehtischen.

Mittagsbüffet

Damit vom vegetarische Mittagsbüffet nichts weggeworfen werden muss, …

Resteboxen

… gibt es Resteboxen zum Mitnehmen.

Initiativenvertreterinnen und Vertreter auf der Tagungsbühne im Gespräch.

Gespräch mit Nicole Klaski, Gründerin von THE GOOD FOOD, Justin Knigge, Mitglied bei Foodsharing Düsseldorf, und Jörg Lüling, Mitglied der Solidarischen Landwirtschaft Dortmund, über Zivilgesellschaftliches Engagement zur Wertschätzung von Lebensmitteln und lokale Beispiele aus NRW.

Ein Schild "Forum 4" wird hochgehalten.

Alles gut organisiert: Die Tagungsgäste werden am Nachmittag zu den verschiedenen Foren-Räumen geleitet.

Mehrere Personen diskutieren.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines der Foren am Nachmittag.

Vier Personen diskutieren

Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines der Foren am Nachmittag.

Workshopteilnehmer und Moderatorin

Jutta Kuhles (r.), 1. Vizepräsidentin des Rheinischen LandFrauenverbands e.V., moderiert das Forum „Neue Konzepte für die Landwirtschaft: Ökonomisch und nachhaltig machbar?“.

Jugendliche halten einen Vortrag

Engagierte junge Menschen: An der Maria-Montessori-Gesamtschule Meerbusch haben Schüler eine Genossenschaft „Bienenprodukte“ gegründet. Die Vorstandsmitglieder erläutern den Tagungsteilnehmern, wie die gemeinschaftliche Imkerei funktioniert.

Drei Männer an einem Tisch sitzend.

„Wertschätzung und billig – wie geht das zusammen?“ Darum wird im Forum „Handel & Vertrieb“ intensiv diskutiert. Moderator ist der Autor, Journalist und Medienberater Stefan Kreutzberger (l.).

An eine Metaplanwand wird etwas geschrieben.

Ergebnisse und Anregungen aus den Diskussionen werden festgehalten und anschaulich präsentiert.

Bernd Draser am Rednerpult

Bernd Draser, Philosoph und Lehrbeauftragter für Philosophie an der ecosign/Akademie für Gestaltung, fasst die Ergebnisse des Tages als unterhaltsamen "vorausschauenden Rückblick" zusammen.

Zwei Frauen auf einer Bühne.

Ulrike Schell (r.), Mitglied der Geschäftsführung der Verbraucherzentrale NRW und Leiterin des  Bereichs Ernährung und Umwelt, verabschiedet gemeinsam mit Hauptmoderatorin Manuela Stamm die Tagungsgäste. 

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