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Finanzierungsmöglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement

Von der Low-Budget-Aktion bis hin zum ambitionierten Projektvorhaben auf Quartiersebene – jede Initiative arbeitet unterschiedlich und verfolgt dadurch andere Ziele. Je nach Projekt oder Vorhaben werden Finanzierungsmöglichkeiten gesucht. Manchmal ist es möglich langfristig zu planen, dann wieder werden Mittel unmittelbar und kurzfristig benötigt.

Metaplanwand mit Notizzettel zum Thema Finanzierung
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Zeichnung: Euro-Münzen

Die Verpflegung für ein Fest oder einen Tag der offenen Tür kann meistens schnell und unbürokratisch mit einem Mitbring-Büffet ermöglicht werden, das von den Besuchern mitgestaltet wird und bei dem einzelne Komponenten, beispielsweise die Brötchen vom Bäcker um die Ecke, gesponsert werden können. Aber für andere Vorhaben reichen geringfügige Spenden und eigene Netzwerke nicht mehr aus, beispielsweise für die Finanzierung von Räumlichkeiten.

Die folgende Übersicht zeigt verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, die ehrenamtlichen Gruppen zur Verfügung stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Kommunen fördern bürgerschaftliches Engagement und unterstützen die Initiative ihrer Bürger, die eigene Stadt mitzugestalten. Daher lohnt es sich, bei der Stadtverwaltung anzufragen, welche Fördergelder für Bürgerengagement und Nachhaltige Entwicklung zur Verfügung stehen.
  • Bürgerengagement und Klimaschutz: Viele Aktivitäten auf lokaler Ebene, ob freies Lastenrad oder Stärkung der regionalen Lebensmittelversorgung, fördern den Klimaschutz vor Ort und erleichtern Bürgern einen nachhaltigen Lebensstil. Projektanträge, die sich auf dieses Klimaschutzpotential beziehen, können häufig durch dafür extra bereitgestellte Mittel finanziert werden. Es lohnt sich deshalb, auch gezielt nach Projektförderungen zu suchen, die lokale Klimaschutzprojekte unterstützen.
  • Viele Fördergelder werden ausschließlich für eingetragene Vereine, Stiftungen, Genossenschaften oder Kommunen bereitgestellt. Für lose  Zusammenschlüsse von Engagierten ist es meist schwieriger, an öffentliche Mittel oder Gelder von Stiftungen zu kommen. Manche Vereine oder Kommunen sind jedoch offen für eine Kooperation, eine Anfrage lohnt sich. Alternativ gibt es vielleicht ein übergeordnetes Vereinsnetzwerk, das stellvertretend einen Förderantrag stellen kann.
  • Stiftungen werden zur Finanzierung von sozialen und gesellschaftspolitischen Belangen immer wichtiger, viele Stiftungen haben in ihrer Satzung die Förderung von Umwelt- oder Klimaschutz festgeschrieben. Bei der Recherche ist jedoch darauf zu achten, dass es sowohl fördernde wie auch operative Stiftungen gibt, letztere verwenden ihre Mittel zur Finanzierung eigener Projekte. Hier könnte also eine Projektkooperation sinnvoll sein.
  • Bürgerstiftungen, die es in vielen Städten gibt, fördern gemeinnützige Anliegen in ihrer Stadt und das bürgerschaftliche Engagement.
  • Durch Projektanträge bei öffentlichen Institutionen oder der Durchführung einer Crowdfunding-Kampagne können tolle Projekte umgesetzt werden. Hier muss bedacht werden, dass die Beschaffung dieser Gelder, wie auch deren Ausgabe mit teils hohem organisatorischem Aufwand verbunden ist.
  • Wettbewerbe oder Preisgelder dienen neben der Finanzierung kleinerer bis mittlerer Projektvorhaben auch der Öffentlichkeitsarbeit einer Initiative. Da meist abgeschlossene Aktionen eingereicht werden, erfordern sie nur einen geringen Zusatzaufwand.


Öffentliche Mittel zur Stärkung bürgerschaftlichen Engagements

Bundesweite Projektförderungen

Zivilgesellschaftliche Vereine und Initiativen leisten einen wichtigen Beitrag, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken sowie nachhaltige Lebensweisen auszuprobieren und zu erleben. Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement sowie Innovationen und vielversprechende Ansätze im Klimaschutz werden von Bundesregierung und Bundesländern mit entsprechenden Förderprogrammen unterstützt.

Ein Förderantrag für ein entsprechendes Programm kann beispielsweise als Verein oder gemeinsam mit der Stadt oder Gemeinde eingereicht werden. Durch verschiedene Programme werden ganz unterschiedliche Vorhaben gefördert, die zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz beitragen, beispielsweise indem die Treibhausgas-Emissionen durch das Projekt gesenkt oder Begegnungsstätten und Bildungsorte geschaffen werden.

Antragsberechtigt sind hierbei jedoch ausschließlich Organisationen wie z.B. eingetragene Vereine, Kommunen, Hochschulen oder Stiftungen.
Für Initiativen und Vereine, die beispielhafte Projekte in den Themenfeldern Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorantreiben und umsetzen möchten, lohnt es sich, einen Blick in die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu werfen.
→ www.foerderportal.bund.de

Initiativen, die selbst keine Vereinsstruktur haben, aber an einem Förderprogramm Interesse haben, können sich einen Verein suchen, an den sie sich andocken können. Ebenso ist es denkbar, bei der zuständigen Stadt oder Gemeinde anzufragen, ob ein Förderantrag über sie gestellt werden kann. Meist verfügen Kommunen oder Landkreise noch einmal über zusätzliche Zugänge zu Förderprogrammen und suchen häufig noch geeignete Kooperationspartner.


Praxis-Beispiel Düsselgrün:
Der offene Gemeinschaftsgarten in Düsseldorf kooperiert mit dem Verein Niemandsland e.V. und konnte so Fördergelder über den Verein beantragen.


Praxis-Beispiel Bolle Bonn und das Projekt "Velowerft":

 

Ein kleines Team aus dem Umfeld der Transition-Town Bewegung "Bonn im Wandel e.V." und der Lastenradgruppe "Bolle Bonn" hat beim Förderprogramm "Kurze Wege für den Klimaschutz" des Bundesumweltministeriums erfolgreich Fördermittel für den Eigenbau von Lastenräder für acht Nachbarschaftsinitiativen in Bonn eingeworben. Wichtig für die Förderung war hier, dass es sich um ein lokales und auf Nachbarschaften begrenztes Vorhaben handelte.
Eine Übersicht der geförderten Projekte (PDF)

 


Bei Projekten, die zum Klimaschutz beitragen, kann es hilfreich sein, anhand einiger Zahlen das geschätzte Einsparpotential des geplanten Vorhabens zu benennen. Daten liefern beispielsweise entsprechende  CO2-Rechner, die für die Gruppentätigkeiten die eingesparten Treibhausgas-Emissionen berechnen:
http://www.sustainable-communities.eu/track-it (steht nur auf Englisch zur Verfügung)

Kommunale Engagementförderung

Einen Antrag an die Kommune richten
Städte fördern bürgerschaftliches Engagement und unterstützen die Initiative ihrer Bürger, die eigene Stadt im Sinne einer gemeinnützigen und nachhaltigen Entwicklung mitzugestalten. Daher lohnt es sich bei der Stadtverwaltung anzufragen, ob diese Gelder für Bürgerengagement und Nachhaltigkeit zur Verfügung stellt. Auch über die Lokale Agenda können meist kleinere Finanzierungsvorhaben bis 500 Euro schnell und ohne großen Aufwand beantragt werden.

Nach Paragraph §24 GO NRW (Gemeindeordnung) "Anregungen und Beschwerden" können Bürgerinnen und Bürger einen Antrag (früher auch "Bürgerantrag" genannt) bei der Stadt einreichen. Der Antrag wird schriftlich und unterschrieben an den Bürgermeister der Stadt gerichtet; der Stadtrat oder Gemeindeausschuss entscheiden dann darüber, ob das Projekt gefördert wird. Anträge können durch einzelne Bürger oder durch Gruppen und Gemeinschaften gestellt werden. Weitere Informationen im Justizportal des Landes NRW.

Über einen Antrag lassen sich bei der Stadt sowohl Gelder - zum Beispiel für die Ausrichtung von Nachhaltigkeitstagen oder anderen Veranstaltungen - beantragen, als auch Genehmigungen für Anregungen wie etwa die Begrünung von Baumscheiben im Viertel oder die Umgestaltung einer Brache in einen Gemeinschaftsgarten.
Ein entsprechender zeitlicher Vorlauf für das Antragsverfahren sollte eingeplant werden, ebenso die Möglichkeit, dass der Antrag abgelehnt wird oder noch nachgebessert werden muss. Daher ist diese Form der Mittelakquise nur in Ausnahmefällen für kurzfristige Projekte geeignet. Anträge sollten über klare Ziele, konkrete Ansprechpartner und terminierte Meilensteine verfügen. Ebenso ist es wichtig eine Kalkulation der beantragten Mittel beizufügen, die auch belegt, wie die Gelder verwendet werden sollen. Ein Antrag sollte sich immer auf strategische Ziele der Kommune beziehen und darlegen, wie diese durch das Vorhaben unterstützt oder erreicht werden.

Städtische Preise und Wettbewerbe
Einige größere Städte fördern, meist über das Umweltamt, Initiativen, Vereine, selten auch Privatpersonen in ihrem Engagement für den Klima- und Umweltschutz. Erkundigen Sie sich, ob auch Ihre Stadt Gelder für nachhaltigkeitsbezogene Themen vergibt. Meist erfolgt dies über jährlich ausgeschriebene Wettbewerbe (wie Umweltpreis) oder Projektförderungen (wie Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Radverkehrsförderung, Luftreinhaltung, Mehr Grün in der Stadt oder Naturschutz).


Praxis-Beispiel Foodsharing:
Die Stadt Düsseldorf lobt jährlich in verschiedenen Kategorien einen Umweltpreis aus und vergibt kleinere Projektförderungen, die Verbänden, Einzelpersonen, privaten Gruppen oder Schulen zur Verfügung stehen. Im Jahr 2017 wurde der mit 2.500 Euro dotierte Umweltpreis an die Düsseldorfer foodsharing Initiative verliehen.
Förderung von Umweltprojekten durch die Stadt Düsseldorf



Stiftungen

In Deutschland gibt es rund 20.000 eingetragene, rechtsfähige Stiftungen, die für die Finanzierung sozialer und gesellschaftspolitischer Belange immer bedeutender werden. Stiftungen gründen sich, um politische Bildung, die Verständigung verschiedener Kulturen oder den Umwelt- und Klimaschutz voranzutreiben und legen diese spezifischen Ziele in ihrer Satzung fest.

Stiftungen setzen Gelder aus Einnahmen, Spenden oder Zinsen zur Realisierung der festgelegten Ziele ein. Dabei gibt es fördernde und operative Stiftungen, erstere fördern die Projekte Dritter. Sie sind dabei nicht verpflichtet, Anträge Dritter entgegen zu nehmen, sondern können dies im Rahmen ihrer Satzung selbst aussuchen. Operative Stiftungen initiieren selbst eigene Projekte und führen diese durch. Im Folgenden werden nur jene Stiftungen vorgestellt, die Projekte Dritter finanziell fördern und auf diese Weise Vereine, Initiativen und zivilgesellschaftliches Engagement im Sinne ihrer Stiftungsziele finanziell unterstützen. Operative Stiftungen können sich ggf. für eine Projektkooperation eignen (z.B. ein stiftungseigener Gemeinschaftsgarten).

Rund die Hälfte der in Deutschland registrierten Stiftungen sind fördernde Stiftungen.

Für die Antragsstellung an eine Stiftung ist es wichtig, die Antragsbedingungen, die Fördermöglichkeiten sowie gegebenenfalls die Satzung der Stiftung zu kennen, um einen passenden Antrag zu stellen. In der Regel fördern Stiftungen nur gemeinnützige Organisationen, in selteneren Fällen sind auch Einzelpersonen förderberechtigt. Möglichst sorgfältig und realistisch sollten die erwartbaren Kosten kalkuliert werden. Sollten nicht alle Kosten des Projekts durch die Stiftung selbst finanziert werden können, ist es auch wichtig, die möglichen Eigenmittel sowie weitere Drittmittel-Geber zu nennen.

Es ist wichtig, frühzeitig die Antragsstellung zu planen. Stiftungen fördern kaum laufende Projekte, je nach beantragter Finanzsumme haben Anträge unterschiedlich lange Vorlaufzeiten, meist zwischen zwei und sechs Monaten. Gleichzeitig tagen die Entscheidungsgremien in Stiftungen mitunter nur wenige Male im Jahr.

EXKURS
Bürgerstiftungen:
Ein besonderer Typ von Stiftungen sind die Bürgerstiftungen: Hierbei handelt es sich um unabhängige, autonom agierende gemeinnützige Stiftungen von Bürger/-innen für Bürger/-innen. Der Stiftungszweck ist möglichst breit angelegt, ist aber meist nur an Aktivitäten innerhalb der Stadt/Gemeinde, in denen die Bürgerstiftung ansässig ist,  gerichtet. Die Bürgerstiftungen haben das Ziel bürgerschaftliches Engagement zu fördern und sich dauerhaft und nachhaltig für das Gemeinwesen zu engagieren. Bürgerstiftungen sind in der Regel fördernd und operativ tätig.
Auch neue Formen des gesellschaftlichen Engagements, wie zum Beispiel ein städtischer Gemeinschaftsgarten, werden durch Bürgerstiftungen unterstützt. So unterstützte beispielsweise die Kölner Bürgerstiftung den Aufbau des Gemeinschaftsgarten Neuland e.V.
Ein Verzeichnis aller Bürgerstiftungen in Deutschland sowie die Information, welche Themenfelder diese unterstützen, sind hier zu finden:
www.aktive-buergerschaft.de/buergerstiftungsfinder

Die passende Stiftung finden
Da es sehr viele fördernde Stiftungen in den unterschiedlichsten Bereichen gibt, ist es zu Beginn nötig, eine passende Stiftung zu finden, deren Stiftungsziele mit dem geplanten Projektvorhaben übereinstimmen. Bei der Antragstellung ist es wichtiger, die passende Stiftung zu finden, anstatt möglichst viele Stiftungen anzuschreiben, die jedoch wenige Schnittstellen mit der geplanten Projektidee haben.

Zum Auffinden der passenden Stiftungen sind hier einige Datenbanken sowie einzelne Stiftungen, die Projekte in den Bereichen Nachhaltigkeit und bürgerschaftliches Engagement fördern, gelistet:


Vorstellung ausgewählter Stiftungen
Diese Stiftungen fördern nachhaltige Lebensstile und Bürgerengagement:

  • Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis gGmbH
    Die Stiftung fördert gemeinnützige Organisationen in der Erprobung und Gestaltung nachhaltiger Lebensstile im Alltag für eine ökologisch zukunftsfähige Gesellschaft. Förderschwerpunkte sind (interkulturelle) Gemeinschaftsgärten und offene Werkstätten.
  • Stiftung Mitarbeit
    Die Stiftung vergibt eine Starthilfeförderung an neue Initiativen und Gruppen, die beispielhaft aufzeigen, wie Einzelne das Leben in unserer Gesellschaft mitgestalten können.
  • GLS Treuhand e.V.
    Durch diesen Stiftungsfonds werden gemeinnützige Organisationen unterstützt, die in den Bereichen „Landwirtschaft, Ökologie und Umwelt“ oder „Zivilgesellschaft, Demokratie und Gesellschaftsfragen“ tätig sind.
  • Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen
    Durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung werden rechtsfähige gemeinnützige Organisationen wie eingetragene Vereine (e.V.), eine gemeinnützige GmbH (gGmbH), gemeinnützige Stiftungen und kirchliche Institutionen gefördert. Die Projektaktivitäten müssen sich an Menschen in Nordrhein-Westfalen richten. Es werden unter anderem diese Themen gefördert: Umweltbildung, Naturschutz, Ressourcenschonung, Klima- und Umweltschutz.
  • Hans-Sauer-Stiftung
    Projektteams, Einzelpersonen oder Forschungseinrichtungen können an diese Stiftung Anträge stellen. Die bezuschussten Projekte fördern die Realisierung technischer und sozialer Innovationen, die eine positive Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt haben.


Eine weitere Möglichkeit, Förderungen zu beantragen, sind parteinahe Stiftungen – am besten erkundigt man sich direkt auf den Seiten der jeweiligen Stiftungen, in welchen Bereichen und welche Projekte diese unterstützen.
Hier sind nur einige Beispiele an Stiftungen genannt, die für ehrenamtliche Initiativen in den Bereichen nachhaltiger Ernährung, Konsum und Mobilität interessant sein können; die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Crowdfunding

Crowdfunding (oder Schwarmfinanzierung) ist im Grunde nichts anderes als die Spendendose neben der Kuchentafel, nur eben im Internet. Eine Vielzahl an Geldgebern finanziert mit kleineren Summen ein Projekt. Damit ist Crowdfunding virtuelles Fundraising, also die Werbung um kleinere Spendenbeträge von privaten Spendern. Unterstützt durch soziale Medien und über private Kontakte, machen Sie auf eine zeitlich begrenzte Spendenkampagne für ein bestimmtes Projekt oder Produkt auf einer der vielen bestehenden sogenannten Crowdfunding-Plattformen aufmerksam. Die Plattformen bieten den Rahmen für die Online-Kampagne und helfen, Unterstützer und Sponsoren mithilfe der Plattform und sozialer Medien zusammenzubringen.

Crowdfunding kann Unterstützern auch einen (ideellen) Gegenwert, je nach Höhe der Zuwendung ermöglichen. Zum Beispiel die Benennung eines Beetes, die Teilnahme an einem Fest oder eine Freifahrt mit dem Lastenrad. Über Crowdfunding können viele Personen erreicht werden, die mit teils kleinen Beträgen das Projekt unterstützen. Im Gegensatz zum Crowdinvesting, wo Anleger auf der Suche nach einer lukrativen Geldanlage oder einem entsprechenden Gegenwert für ihre Investition oder Zuwendung sind, ist den privaten Unterstützern beim Crowdfunding eher an der Verwirklichung der guten Idee gelegen.

Für wen ist Crowdfunding geeignet?

  • Verfügt das Projekt, das durch Unterstützer finanziert werden soll, über einen sozialen, kulturellen oder ökologischen Mehrwert?
  • Bezieht sich das Projekt auf aktuelle (gesellschaftliche) Themen?
  • Lokaler Bezug: Auch wenn Crowdfunding-Kampagnen über das Internet mögliche Unterstützer in ganz Deutschland ansprechen sollen, ist diese Art der Finanzierung gerade auch für lokale Initiativen und Projekte geeignet. Zwar ist in dem Fall die Zielgruppe kleiner, aber diese bringt – durch eine Identifizierung mit dem eigenen Lebensumfeld – ein erhöhtes Interesse an einer Förderung mit.
  • Crowdfunding braucht Kommunikation; diese findet mehrheitlich im Internet statt. Für eine gelingende Kampagne ist es also hilfreich, einige grundsätzliche Prinzipien der Online-Kommunikation zu kennen sowie bestenfalls bereits eine gewisse Gruppe an Fans und Interessenten zu kennen oder einfach kontaktieren zu können (zum Beispiel über eine Facebook-Seite).
  • Für eine erfolgreiche Crowdfunding Kampagne ist eine rechtliche Organisationsform, zum Beispiel eingetragener Verein nicht nötig. Auch als Privatperson mit einer guten Idee kann man dadurch Unterstützer suchen.

Good-Practice von der BonnBox: Für die Materialkosten der Givebox, eine Aufwandsentschädigung für den Schreiner und eine Rücklage für Reparaturen und Ersatzteile haben die Initiatoren der BonnBox eine Crowdfunding-Kampagne über eine der zahlreichen, bestehenden Crowdfunding-Plattform gestartet. Durch diese konnte innerhalb weniger Wochen die erforderliche Summe von knapp 500 Euro gesammelt werden.

Wie funktioniert eine Crowdfunding-Kampagne?

  • Die Initiative und das zu finanzierende Projekt werden über eine Crowdfunding-Plattform vorgestellt.
  • Über einen definierten Zeitraum können durch die Crowd (die Unterstützer), die das Projekt unterstützenswert findet, Geldbeträge eingezahlt werden.
  • Beim Crowdfunding gibt es zwei verschiedene Optionen: Die Spende können ohne (Donation-Based) oder mit nicht finanzieller Gegenleistung (Reward-Based) erfolgen. Wird ein Dankeschön oder Tauschgut angeboten sollte dies Bezug zum Projekt haben, zum Beispiel ein Glas Honig für die Unterstützung eines Imker-Projekts oder eine Einladung zu einem Gartenfest aus einem Gartenprojekt.
  • Beim sogenannten Spenden-Crowfunding (oder Crowd-Donating) wird keine Gegenleistung angeboten, teilweise gibt es eine öffentliche Danksagung als ideelle Gegenleistung.
  • Nach erfolgreicher Crowdfunding-Phase wird das Geld den Projektinitiatoren bezahlt, die Unterstützer erhalten das vereinbarte Dankeschön. Meist funktionieren Crowdfunding-Projekte nach dem „Alles-oder-Nichts-Prinzip“, bei einigen Plattformen werden auch die erreichten Teilbeträge zur Förderung des Projektes bereitgestellt.
     

Wissenswertes zu Crowdfunding

  • Circa 60 Prozent aller Initiativen erreichen die anvisierte Fördersumme. (Quelle: Theodor-Heuss-Kolleg Initiativen-Kochbuch: Engagement selbst gemacht)
  • Eine erfolgreiche Kampagne bedeutet gute Öffentlichkeitsarbeit und erfordert sorgfältige Planung. Gleichzeitig kann eine Crowdfunding-Kampagne aber auch als PR-Instrument genutzt und durch sie ein langfristiges Netz an Unterstützern aufgebaut werden.
  • Durch die Kampagne kann man ganz gut einschätzen, ob das Thema für Bürger und Bürgerinnen relevant und unterstützenswert ist.


Es gibt verschiedene Plattformen, die sich in der Art der Unterstützung unterscheiden. Machen Sie sich vorab Gedanken, welche Art der Schwarmfinanzierung für Ihre Initiative die Beste ist:

Kosten, Organisation und Auszahlung

  • Welche Möglichkeiten gibt es, Spenden einzuzahlen (PayPal, Kreditkarte, Überweisung)? Und welche sind der Zielgruppe vertraut?
  • Wird das Geld auch ausgezahlt, wenn nicht die komplette Zielsumme erreicht wird?
  • Wie hoch sind die Gebühren zur Nutzung der Plattform?
  • Wie lange kann die Kampagne laufen? Ist diese verlängerbar?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, eine Gegenleistung als Geschenk an die Unterstützer zu vergeben?
  • Ist es möglich, Spendern eine Spendenbescheinigung anzubieten?
  • Wohin und an wen genau wird das Geld überwiesen?
  • Was passiert im Falle der Insolvenz einer Plattform?
  • Ist eine Nachschusspflicht über meine Spende hinaus ausgeschlossen?


Welche Motive haben die Unterstützer?

  • Für all jene, die das Projekt unterstützen, ist es schön, etwas mit auf den Weg gebracht zu haben und Teil eines Projekts zu sein. Der Aspekt der Teilhabe ist ein wichtiger Anreiz für die Unterstützer. Beziehen Sie die Unterstützer also frühzeitig mit ein: Einladungen zu Festen, Werkstattbesuchen oder anderen Mitmachaktionen bieten sich dazu an.
  • Lokale Akteure stärken: Für viele Bürgerinnen und Bürger ist es wichtig, dass sich ihre Region positiv entwickelt, daher unterstützen sie Aktionen und Projekte mit lokalem Bezug und sichtbaren Ergebnissen gerne.
  • Vergessen Sie nicht, Freunde und Familie als Unterstützer mit in die Kampagne einzubringen; diese unterstützen meist gerne Projekte aus dem eigenen Bekanntenkreis.
     

Auswahl an Crowdfunding-Plattformen:

  • Betterplace: Deutschlands größte Spenden-Plattform. Auf dieser Plattform werden nicht nur Spender für unterschiedlichste Projekte sondern auch Zeit-Spender, also ehrenamtliche Helfer vermittelt. Es können nur gemeinnützige Initiativen auf dieser Plattform Spendenaktionen starten.
  • Gemeinschaftscrowd: Diese Crowdfunding-Plattform der GLS Treuhand bietet für Vereine und gemeinnützige Einrichtungen die Möglichkeit, nachhaltige und gemeinnützige Projekte vorzustellen und Unterstützer zu finden.
  • Startnext bietet als größte klassische Crowdfunding-Plattform im deutschsprachigen Raum vor allem Künstlern, Kreativen und Sozialunternehmern die Möglichkeit, Unterstützer für eigene Ideen zu finden.
  • Ecocrowd ist eine Crowdfunding-Plattform der Deutschen Umweltstiftung. Die auf dieser Seite vorgestellten Projekte haben einen Fokus auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz und werden anhand eines Kriterienkatalogs von der Deutschen Umweltstiftung geprüft. Auch wenn nicht die komplette Summe zustande kommt, erhält hier der Projektinitiator die Geldsumme, der Unterstützer bekommt das Tauschgut.

Die genannten Plattformen stellen eine Übersicht geeigneter Portale im Bereich nachhaltigen bürgerschaftlichen Engagements dar, sind jedoch nicht als Empfehlung seitens der Verbraucherzentrale NRW zu verstehen.
Weitere Crowdfunding-Plattformen sowie hilfreiches Wissen rund um eine erfolgreiche Kampagne sind hier aufgeführt:
www.crowdfunding.de und Informationen zu Crowdfunding der Verbraucherzentrale NRW


Preise und Wettbewerbe

Die Teilnahme an Preisen und Wettbewerben stellt eine weitere Möglichkeit für Initiativen dar, laufende Aktivitäten und Projektvorhaben finanziell zu unterstützen. Der Vorteil bei Wettbewerben ist, dass in der Regel abgeschlossene Projekte oder laufende Aktivitäten zur Nominierung eingereicht werden können. Die Teilnahme an einem Wettbewerb bedeutet daher in der Regel keinen allzu hohen Mehraufwand. Je nach Wettbewerb kann über das Preisgeld meist auch relativ frei verfügt werden.
Neben dem eigentlichen finanziellen Gewinn kann ein Preis auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Initiative genutzt werden. Ein gewonnener Preis oder eine Auszeichnung ist ein Qualitätsmerkmal und kann entsprechend für weitere Förderungen und Anträge genutzt werden. So sollte ein gewonnener Preis auf der Homepage oder auf dem nächsten Flyer bekannt gemacht werden.

Eine Auswahl an Preisen und Wettbewerben:

  • Deutscher Bürgerpreis: Wird jährlich in den Kategorien „Lebenswerk“, „Alltagshelden“ und „U21“ vergeben und richtet sich an engagierte Privatpersonen. Einreichungszeit: Mai bis Juni.
    www.deutscher-buergerpreis.de
  • Deutscher Nachbarschaftspreis für Projekte für und von Nachbarn. Frist: 31. Oktober.
    www.netzwerk-nachbarschaft.net
  • Generation D – Ideen für Deutschland vergibt an Gruppen von Studenten Geld und Sachspenden für innovative Ideen: Frist: März.
    www.generation-d.org
  • Der Lammsbräuer Nachhaltigkeitspreis ehrt Engagement für die Förderung einer Kultur der Nachhaltigkeit. Frist: Februar oder März.
    www.lammsbraeu.de/ueber-uns/nachhaltigkeitspreis
  • Der Yoweedoo-Ideenwettbewerb unterstützt Menschen bei der Gründung nachhaltiger und ökologischer Projekte. Frist: 1. Februar.
    yooweedoo.org/ideenwettbewerb
  • Der ZEIT Wissen-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“ würdigt Pioniere für ihren Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung.
    www.mut-zur-nachhaltigkeit.zeit.de
  • Der „ZeitzeicheN – Deutscher Lokaler Nachhaltigkeitspreis“ zeichnet beispielhaftes Engagement für eine nachhaltige Entwicklung in den Kategorien „Bildung und Kommunikation für eine nachhaltige Entwicklung“, „Nachhaltige Stadt-, Gemeinde- und Regionalentwicklung“, „Nachhaltig produzieren und konsumieren“, „Internationale Partnerschaften“ und „Kunst und Kultur für eine nachhaltige Entwicklung“ aus.
    Frist: August.
    www.netzwerk21kongress.de/de/zeitzeichen.asp
     

Wirtschaft und Unternehmen
Viele Unternehmen, wie beispielsweise Baumärkte oder Bio-Supermärkte, unterstützen lokales Engagement durch finanzielle oder auch materielle Förderung.
Zudem laden einige Freiwilligenagenturen beispielsweise unter dem Titel „Gute Geschäfte“ zu jährlichen Kongressen ein, um gemeinnützige Organisationen und Wirtschaftsunternehmen zusammenzubringen. Gemeinnützigen Organisationen soll so geholfen werden, sachliche Mittel oder Know-how über teilnehmende Unternehmen bereitgestellt zu bekommen.

Tipp: Bei der Einwerbung von Fördergeldern sollte darauf geachtet werden, ob der Geldgeber an seine Zahlung eine Bedingung oder Erwartung knüpft. Dies kann zum Beispiel die Nennung des Sponsors sein oder die Einbindung des Logos. Hier ist wichtig zu prüfen, ob diese Forderung erfüllt werden kann und angemessen ist.

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