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Ermittlung von CO2-Einsparungen in Foodsharing-Initiativen

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Ermittlung von CO2-Einsparungen in Foodsharing-Initiativen.

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Foodsharing-Initiativen organisieren die Abholung von Lebensmitteln, die ansonsten in den Abfall entsorgt worden wären. Dabei kooperieren sie z.B. mit Supermärkten, Bäckern oder anderen Betrieben. Dadurch wird vermieden, dass Lebensmittel entsorgt werden, bei deren Produktion auch Treibhausgase freigesetzt werden.

Da so weniger Lebensmittel neu produziert werden müssen, leisten Foodsharing-Initiativen auch einen Beitrag zur CO2-Einsparung.

Welche Daten sind nötig, um die Treibhausgasminderungen meiner Initiative zu berechnen?

Zur Ermittlung des Beitrags von Foodsharing zu THG-Minderungen sind folgende Informationen wichtig:

  • Anzahl der Abholungen pro Betrieb pro Woche oder Monat (bei starken Variationen auch durchschnittliche Angaben), um eine Hochrechnung auf das gesamte Jahr zu ermöglichen
  • Menge in kg, die pro Termin bei den Betrieben abgeholt wird
  • Eine prozentuale Aufschlüsselung nach Lebensmittelart (z.B. Brot, Gemüse, Milchprodukte), da verschiedene Lebensmittel unterschiedliche CO2-Bilanzen aufweisen, die im Rechner berücksichtigt werden. Sofern es bei einzelnen Betrieben zu großen Schwankungen im Lebensmittel-Mix kommt, sollte annähernd geschätzt werden.

Welchen CO2-Rechner kann ich verwenden?

Um die CO2-Einsparungen durch die Rettung von Lebensmitteln zu berechnen ist der „Track it!“-Rechner gut geeignet. Der Rechner wurde im Rahmen  des Projekts „Towards European Societal Sustainability“ (TESS) entwickelt, das ein von der Europäischen Union gefördertes Forschungsvorhaben unter Federführung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) war und Ende 2016 abgeschlossen wurde.

Sie finden den Rechner unter www.sustainable-communities.eu/track-it

Was berechnet der CO2-Rechner?

Der „Track it!“-Rechner berechnet Treibhausgasminderungen, indem die Aktivitäten der Initiativen mit einem Referenzszenario abgeglichen werden. Im Fall der Foodsharing-Initiativen geht es im Kern um die Abholung und den Verzehr von Lebensmitteln, die im Einzelhandel nicht mehr verkauft werden und für die Entsorgung vorgesehen sind.

Das Referenzszenario des Rechners geht von der Annahme aus, dass die „Rettung“ der Lebensmittel zu 50% die Neuproduktion vermeidet. Zudem wird berücksichtigt, dass ein Teil der geretteten Lebensmittel von den Verbrauchern wieder entsorgt wird. Der verbleibende Teil wird als Treibhausgasminderung angerechnet. Im Kern beziehen sich die berechneten Treibhausgasminderungen also auf die Annahme, dass die „Rettung“ von Lebensmitteln zumindest teilweise die Neuproduktion von Lebensmitteln vermeidet.

Im Detail können die Methoden des „Track it!“-Rechners eingesehen werden unter  www.tess-transition.eu

Wie werden die Daten in den Rechner eingegeben?

Die Foodsharing-Aktivitäten werden im CO2-Rechner mit „Avoiding Food Waste“ ausgewählt. Zunächst müssen das entsprechende Land und Jahr eingegeben werden, anschließend erfolgt die Eingabe der Mengen der geretteten Lebensmittel.

Wie muss ich allgemein bei der Schätzung vorgehen?

Lebensmittelretter erfassen üblicherweise das durchschnittliche Gewicht für die Abholung in jedem Betrieb. So können Ortsgruppen von Foodsharing z.B. im internen Bereich auf foodsharing.de die Abholhistorie nach Betrieben nachvollziehen und die üblichen kg pro Abholung (z.B. 30 bis 40 kg, im Mittel dann 35 kg) einsehen. Diese durchschnittlichen kg-Abholmengen pro Woche und pro Betrieb müssen zunächst auf ein ganzes Jahr hochgerechnet werden. Die Hochrechnung erfolgt zunächst pro Betrieb auf ein Jahr, indem die Abholmenge mit der Zahl der Abholwochen multipliziert wird.  Bei Kooperationen, die nicht das ganze Jahr liefen, sollte die Anzahl der Wochen entsprechend reduziert werden. Noch realistischer wird die Schätzung, wenn auch ausgefallene Abholungen durch Feiertage beachtet werden.

Um die Daten in den Rechner eingeben zu können, muss pro Betrieb eine prozentuale Abschätzung der geretteten Lebensmittel in verschiedene Kategorien erfolgen. Da verschiedene Arten von Lebensmitteln unterschiedliche CO2-Bilanzen aufweisen (z.B. weist Fleisch einen höheren Wert auf als Obst und Gemüse), ist diese Differenzierung für das Endergebnis relevant. Falls keine genaue Protokollierung der Mengen geretteter Lebensmittel für jede Kategorie vorliegt, ist eine näherungsweise Schätzung erforderlich. Hierfür empfehlen wir eine Beschränkung die Kategorien a) Obst & Gemüse, b) Brot & Backwaren, c) Milchprodukte, d) Fisch & Fleisch sowie e) verarbeitete Lebensmittel & Trockenware. Diese Kategorien orientieren sich an der Praxiserfahrung aus Foodsharing-Initiativen und dienen dazu, die abgeholten Lebensmittel mit überschaubarem Aufwand, aber hinreichender Genauigkeit zu klassifizieren. Um auf konkrete kg-Angaben zu kommen, wird zunächst die Gesamtmenge des Betriebes pro Jahr verwendet und dann durch prozentuale Abschätzung eine kg-Zahl pro Kategorie errechnet (siehe Beispiel unten).

Anschließend werden die Mengen für alle Betriebe zusammengerechnet, so dass sich Kilogramm-Gesamtmengen pro Jahr für jede Kategorie ergeben. Diese werden wie folgt in den Rechner eingegeben:

  • Obst und Gemüse wird zu jeweils 50 Prozent aufgeteilt in die Kategorien „fruits“ und „other vegetables“
  • Brot und Backwaren werden der Kategorie „wheat“ zugeordnet
  • Milchprodukte werden in die Kategorie „dairy“ eingegeben
  • Für Fisch und Fleisch wird vereinfachend die Kategorie „pork“ verwendet. Schweinefleisch hat unter den verschiedenen Fleischsorten eine Treibhausgasbilanz mittlerer Höhe und eignet sich daher als Standardkategorie. Die Vereinfachung ist zudem vertretbar, da erfahrungsgemäß Fisch und Fleisch nur einen geringen Anteil der geretteten Lebensmittel ausmachen.
  • Verarbeitete Lebensmittel werden zusammen mit Trockenware gewertet und auf vier verschiedene Kategorien aufgeteilt:
    - 25 Prozent „oil crops“ (da verarbeitete Lebensmittel oft viel Öl und Fett enthalten)
    - 25 Prozent „wheat“
    - 25 Prozent „other vegetables“
    - 25 Prozent „dairy“

Welche weiteren Faktoren müssen berücksichtigt werden?

Energieverbrauch durch Kühlschränke: Eingegeben wird die Zahl der Kühlschränke, die explizit nur für Foodsharing in Betrieb sind.
Transporte: Berücksichtigt wird nur die einfache Fahrt, da Lebensmittel im Alternativszenario „Entsorgung“ durch die Betriebe abtransportiert werden müssten. Wenn die Initiative kein Fahrtenbuch über die Abholungen mit dem Auto geführt hat, sollte grob abgeschätzt werden, welcher Anteil der Abholungen mit dem Auto stattfindet (z.B. 20 Prozent) und wie weit der durchschnittliche Anfahrtsweg ist (z.B. in einer Stadt bei ca. 10-15 km).

Gibt es ein Beispiel, an dem ich mich bei der Schätzung orientieren kann?

Wir haben die Treibhausgasminderungen im Jahr 2017 für Foodsharing Düsseldorf abgeschätzt. Foodsharing Düsseldorf hat im Jahr 2017 bei 30 Betrieben regelmäßig abgeholt sowie bei 11 Sonderveranstaltungen Lebensmittel gerettet. Pro Betrieb lagen die kg-Zahlen der wöchentlichen Abholungen vor. Diese Werte wurden auf das Jahr 2017 hochgerechnet, so dass pro Betrieb die Gesamtmenge der geretteten Lebensmittel in kg vorliegt (siehe nachfolgende Tabelle).

Tabelle

Folgende Werte wurden ermittelt und wie folgt in den CO2-Rechner eingegeben:

  • 123.342 kg Obst & Gemüse, aufgeteilt zu je 50% (= 61.671 kg) zu den Kategorien „fruits“ und „other vegetables“
  • 26.282 kg Brot in die Kategorie „wheat“
  • 2.843 kg Milchprodukte in die Kategorie „dairy“
  • 274 kg Fisch & Fleisch in die Kategorie „pork“
  • 7.142 kg verarbeitete Lebensmittel und Trockenware, aufgeteilt zu je 25% (=1.785 kg) in die Kategorien „oil crops“, „wheat“, „other vegetables“ und „dairy“
  • Kühlschränke: 2
  • Transportwege: 20.000 km „average car, petrol“, 5.000 km „average van, petrol”

Gibt es ein Beispiel für die Größenordnung der Treibhausgaseinsparungen in Foodsharing-Initiativen?

Foodsharing Düsseldorf hat im Jahr 2017 rund 160.000kg Lebensmittel gerettet. Die Lebensmittel wurden mit ca. 20.000km Auto- und 5.000km LKW-Fahrten sowie einem hohen Anteil an Fahrradfahrten zu den Verbrauchern gebracht. Die Werte können nun in den „Track it!“-Rechner eingegeben werden.


Ergebnis: Foodsharing Düsseldorf hat im Jahr 2017 93,8 t CO2 eingespart!


Wichtig:
In anderen Initiativen kann das Ergebnis abhängig von der Menge geretteter Lebensmittel und der Transportarten und -wege deutlich davon abweichen.

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