Menü

Ermittlung von CO2-Einsparungen für Solidarische Landwirtschaften

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Ermittlung von CO2-Einsparungen für Solidarische Landwirtschaften.

On

Solidarische Landwirtschaften (Solawi) sind ein Zusammenschluss von Landwirt/-innen oder Gärtner/-innen mit einer Gruppe privater Haushalte. Die Verbraucher/-innen sichern das Einkommen der Bauern oder Gärtner  – und helfen freiwillig oder zum Teil auch mit einem festen Zeitanteil auf dem Feld mit. Im Gegenzug dafür wird die Produktion anteilig und gemeinschaftlich geteilt.

Solawi fördern die Ernährung mit lokal und ökologisch produzierten Lebensmitteln, die nur sehr kurze Transportwege aufweisen. Daher können sie, im Vergleich zum Kauf zu Produkten aus dem Supermarkt, CO2-Einsparungen erzielen.

Welche Daten sind nötig, um die Treibhausgasminderungen meiner Initiative zu berechnen?

Die wichtigsten Informationen für die Abschätzung der Treibhausgasminderungen von Solidarischen Landwirtschaften sind

  • die Ertragsmenge an Lebensmitteln
  • die Transportwege der Lebensmittel

Welchen CO2-Rechner kann ich verwenden?

Um die CO2-Einsparungen aus der Produktion regionaler und ökologischer Lebensmittel zu berechnen ist der „Track it!“-Rechner gut geeignet. Der Rechner wurde im Rahmen  des Projekts „Towards European Societal Sustainability“ (TESS) entwickelt, das ein von der Europäischen Union gefördertes Forschungsvorhaben unter Federführung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) war und Ende 2016 abgeschlossen wurde.

Sie finden den Rechner unter www.sustainable-communities.eu/track-it

Was berechnet der CO2-Rechner?

Der „Track it!“-Rechner berechnet Treibhausgasminderungen, indem die Aktivitäten der Initiativen mit einem Referenzszenario abgeglichen werden. Im Fall der Solawi geht es im Kern um die Menge des lokal angebauten Gemüses sowie die Frage, durch welche Transportarten und –wege dieses zu den Mitgliedern gelangt.

Das Referenzszenario ist der Einkauf der gleichen Menge Gemüse im Supermarkt, wobei spezifische Daten im CO2-Rechner hinterlegt sind, um landestypische Besonderheiten mit einzubeziehen (z.B. wird der Anteil von Bio-Lebensmitteln berücksichtigt). Im Kern beziehen sich die berechneten Treibhausgasminderungen also auf die Annahme, dass die Mitglieder der Solawi mit dem Anbau und Verzehr lokalen Gemüses den Einkauf im Supermarkt ersetzen.

Im Detail können die Methoden des „Track it!“-Rechners eingesehen werden unter www.tess-transition.eu/wp-content

Wie werden die Zahlen in den Rechner eingegeben?

Die Aktivitäten werden im CO2-Rechner unter dem Auswahlpunkt „Growing or selling organic food“ erfasst. Zunächst müssen das entsprechende Land und Jahr eingegeben werden, anschließend erfolgt die Eingabe der Erntemengen und Transportwege.

Welche Eingabekategorien im CO2-Rechner sind für Solawis relevant?

Der CO2-Rechner berücksichtigt Obst sowie verschiedene Kategorien von Gemüse bzw. Ackerpflanzen, da sich die CO2-Menge, die bei der Produktion dieser Sorten entsteht, unterscheidet. Die Berechnung der Treibhausgasminderungen wird daher umso genauer, wenn die Erntemengen für die verschiedenen Kategorien im CO2-Rechner getrennt ermittelt und entsprechend eingegeben werden. Folgende Kategorien werden unterschieden:

Starchy roots (e.g. Potatoes) = Stärkehaltige Knollen (Kartoffeln, Topinambur etc.)
Legumes (e.g. Soybean) = Hülsenfrüchte
Maize = Mais
Fruits = Obst
Other vegetables (e.g. Salad, Tomatoes) = Alle Gemüsesorten, die sich nicht den oben genannten Kategorien zuordnen lassen.

Neben Obst und Gemüse lassen sich weitere Lebensmittelkategorien in den Rechner eingeben, sofern diese lokal produziert werden (z.B. Milchprodukte, Früchte, Eier, Fleisch). Diese können berücksichtigt werden, sofern die Initiative diese Lebensmittel selbst produziert.

Wie muss ich allgemein bei der Schätzung vorgehen?

Für den CO2-Rechner werden Angaben in kg /Jahr für alle Produkte (Obst, Gemüse usw.) und Angaben über die Transportwege mit Kraftfahrzeugen in km / Jahr benötigt.

Falls die Erntemengen und Transportkilometer für das entsprechende Jahr systematisch erfasst wurden, können die Zahlen direkt verwendet werden. Ansonsten müssen die Ertragsmengen der Initiative nachträglich näherungsweise geschätzt werden.

Da verschiedene sehr individuell sind, gibt es keine allgemeine Empfehlung für das Vorgehen bei der Schätzung. Anregungen bieten unsere Beispiele aus  Initiativen (siehe unten). Nach den uns vorliegenden Erfahrungen ist es bei Solidarischen Landwirtschaften vorteilhaft, die Mengen pro Ernteanteil zu schätzen und dann auf die gesamte Initiative hochzurechnen (siehe Beispiel unten).

Die Abschätzung muss nicht auf das letzte Kilogramm bzw. den letzten Kilometer genau sein, es ist abzuwägen zwischen dem Aufwand der Ermittlung für genaue Zahlen und der Schätzgenauigkeit. Es geht um ungefähre Größenordnungen, ca. 5 bis 10 Prozent Unter- bzw. Überschätzung sind dabei tolerierbar.

Falls bei bestimmten Gemüsesorten Stückzahlen vorliegen, das Gemüse aber nicht gewogen wurde, hilft die folgende Tabelle weiter, in der die durchschnittlichen Gewichte vieler Lebensmittel, darunter auch die wichtigsten Obst- und Gemüsesorten angegeben sind: www.kochenohne.de/ratgeber/wieviel-wiegt

Zur Ermittlung der Transportwege werden Informationen darüber benötigt:

  • mit welchen Transportmitteln die Lebensmittel transportiert werden (bspw. Lastenrad, Pkw, Kleintransporter, Kühltransporter)
  •  wie häufig dies geschieht (pro Jahr, pro Woche)
  •  welche Entfernungen im Durchschnitt (in km) zurückgelegt werden
     

Folgende Transportwege werden dabei nicht mit in die Berechnung einbezogen:

  • (Personen-) Transporte, die außerhalb des Erntetransports anfallen (z.B. Wege der Gärtner oder Bauern zur Feld- oder Gartenarbeit, Anreisen von Erntehelfern, Fahrten zur Materialbeschaffung).
  • Fahrtwege einzelner Solawi-Mitglieder vom Haus zum Verteiler, um dort Ernteanteile abzuholen. Diese Fahrten werden nicht beachtet, da sie andere Fahrten ersetzen. Hier wird die Annahme zugrunde gelegt, dass die Fahrtwege zum Verteiler im Mittel den Fahrtwegen entsprechen, die die Mitglieder der SoLawi für Fahrten zu Supermärkten oder anderen Lebensmitteleinzelhändlern zurückgelegt hätten.  

Wie wird der Zukauf von Gemüse durch eine Solawi berücksichtigt?

Einige Solawi kaufen neben dem von ihnen selbst angebauten Gemüse auch weiteres Bio-Gemüse von regionalen Landwirten zu. Dies geschieht oft in kleineren solidarischen Landwirtschaften, die z.B. nicht über genügend Fläche verfügen, um die gewünschte Gemüsemenge zu 100 Prozent selbst anzubauen oder die bestimmte Sorten zukaufen müssen, da sie über keinen eigenen Folientunnel verfügen.

Insofern es sich beim Zukauf um lokal produziertes Gemüse aus ökologischem Anbau handelt, können die Mengen mit in die Rechnung einbezogen werden,  da der CO2-Rechner regionales Bio-Gemüse mit dem Referenzszenario „Supermarktkauf“ abgleicht. Nicht hinzugerechnet werden sollten allerdings Zukäufe von Gemüse außerhalb der Region oder aus konventionellem Anbau, da dies die Rechnung verzerren würde.

Gibt es ein Beispiel, an dem ich mich bei der Schätzung orientieren kann?

Wir haben die Treibhausgasminderungen im Jahr 2017 für die Solawi Dortmund abgeschätzt. Dabei wurde die Erntemenge pro Anteil erfasst und dann auf alle Anteile der Solawi hochgerechnet.

Wie kann ich ganz konkret die Erntemengen für Gemüse abschätzen?

Die Solawi Dortmund ist wie folgt vorgegangen: Eine systematische Erfassung der Erntemengen für das Jahr 2017 gab es nicht. In einzelnen Wochen wurden Ernteanteile durch einzelne Mitglieder gewogen, zudem gab es Erfahrungswerte aus dem Vorjahr, wie die Erntemenge pro Anteil über das Jahr variiert. Die  Solawi Dortmund hat im Jahr 2017 100 Anteile vergeben. Im Durchschnitt fielen pro Ernteanteil 5 kg Gemüse an, wobei an 40 Wochen im Jahr geerntet wurde (=200kg im Jahr, Kategorie „other vegetables“). Kartoffeln wurden an 17 Wochen im Jahr geerntet, hier lag die Menge bei 2 kg pro Anteil (=34kg im Jahr, Kategorie „starchy roots“). Insgesamt konnte auf dieser Basis ein Gewicht an geerntetem Gemüse von 78,8 kg pro Ernteanteil für das Jahr 2017 (bis Mitte November, die letzten Wochen wurden nicht einbezogen) ermittelt werden. Davon waren 11 kg Kartoffeln und 67,8 kg anderes Gemüse. Die Initiative verfügt über 100 Ernteanteile. Werden die kg-Mengen pro Ernteanteil mit 100 multipliziert, resultieren daraus die Zahlen, die in den „Track it!“-Rechner eingegeben werden können.

Tabelle

Wie kann ich ganz konkret die Transportwege abschätzen?

Die  Solawi Dortmund ist wie folgt vorgegangen: Die Verteilung ihrer 100 Ernteanteile ist in 19 Untergruppen organisiert. Davon befinden sich 16 Untergruppen in Dortmund. Diese haben im Durchschnitt einen Anfahrtsweg von 10 km. Drei weitere Untergruppen transportieren ihre Ernteanteile nach Bochum, der Transportweg beträgt hier 30 km. Der durchschnittliche Transportweg (= (16*10 + 3*30) / 19) beträgt somit rund 13 km. Einzelne Untergruppen holen ihre Anteile manchmal mit dem Lastenrad ab, im Schnitt ist von drei Abholungen im Jahr für jede Untergruppe auszugehen. Diese Transportfahrten mit dem Rad verursachen keine (bzw. vernachlässigbare) Treibhausgasemissionen und werden daher nicht mit in die Rechnung einbezogen (=3*19*13 = 741km). Jede Woche wird einmal geerntet, in 2017 gab es 35 Erntewochen.

Tabelle

Ergebnis:
Die Solawi Dortmund hatte im Jahr 2017 7.904 km Transportwege, die mit einem Auto zurückgelegt wurden. Dieser Wert kann nun in den „Track it!“-CO2-Rechner in der Kategorie „average car, petrol“ eingegeben werden.

Die 741 km Transportwege mit dem Lastenrad können vernachlässigt werden. Zwar werden bei der Produktion von Lastenrädern auch CO2-Emissionen verursacht, die allerdings auf den einzelnen Kilometer gerechnet gering sind.


Gibt es ein Beispiel für die Größenordnung der Treibhausgaseinsparungen in Solidarischen Landwirtschaften?

Die Solawi Dortmund hat insgesamt 20.000 kg Gemüse und 3.400 kg Kartoffeln produziert, die Lebensmittel wurden mit ca. 7.900 km Autofahrten zu den Verbrauchern transportiert. Diese Werte können in den CO2-Rechner „Track it!“ eingegeben werden: www.sustainable-communities.eu/track-it


Ergebnis:
Die Solawi Dortmund hat im Jahr 2017 3,8t CO2 eingespart!


Wichtig: In anderen Initiativen kann das Ergebnis abhängig von der Menge des produzierten Gemüses und der Transportarten und -wege deutlich abweichen.

Gefördert durch

Logo EULogo Efre