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Ermittlung von CO2-Einsparungen für Lastenrad-Verleih-Initiativen

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Ermittlung von CO2-Einsparungen für Lastenrad-Verleih-Initiativen.

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Lastenrad-Initiativen ermöglichen durch den kostenlosen Verleih von Transporträdern nachhaltige Mobilität im Nahbereich. Sie machen erfahrbar, dass alltägliche Transporte wie der von Kindern oder von Einkäufen auch ohne PKW möglich sind. Durch die gute Sichtbarkeit der Lastenräder im Stadtbild schaffen sie über die konkrete Einsparung von Treibhausgasen hinaus eine Öffentlichkeit für innovative Mobilitätsformen.

Welche Daten sind nötig, um die Treibhausgasminderungen meiner Initiative zu berechnen?

Für die Ermittlung der zurückgelegten Entfernungen je Transportart werden folgende Daten benötigt:
a)    die Anzahl zu verleihender Lastenräder (E-Lastenräder getrennt ausweisen)
b)    die Nutzungstage pro Jahr für jedes Lastenrad
c)    eine Abschätzung der durchschnittlichen Strecke (in km) pro Nutzung für jedes Lastenrad
d)    eine Abschätzung des Anteils, zu dem motorisierte Fahrten mit dem PKW durch die Lastenrad-Nutzung ersetzt werden

Was berechnet der CO2-Rechner?

Im „Track it!“-Rechner werden die mit dem Lastenrad absolvierten Wege für Gütertransporte mit einem „Basisszenario“ verglichen, in dem die entsprechenden Wege mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor transportiert werden. Eine Herausforderung bei der Ermittlung der CO2-Einsparungen ist daher die Beantwortung der Frage, in welchem Ausmaß Fahrten mit Lastenrädern solche  mit motorisierten Fahrzeugen ersetzen.

Wie muss ich allgemein bei der Schätzung vorgehen?

Zur Abschätzung der Nutzungstage (a) kann gegebenenfalls auf das Online-Buchungssystem zurückgegriffen werden, über das viele Lastenrad-Initiativen verfügen. Hier kann eine Statistik der Verleihtage pro Jahr erstellt werden. Falls kein Online-Verleihsystem existiert, können die Nutzungstage aus vorhandenen Notizen rekonstruiert werden.

Zur Abschätzung der durchschnittlich zurückgelegten Strecke pro Nutzung (b) kann gegebenenfalls auf Tachometer der Lastenräder zurückgegriffen werden. Falls keine Tachometer vorhanden sind, muss die durchschnittliche Strecke pro Nutzung geschätzt werden. Aus Erfahrung ist bekannt dass Lastenräder vor allem innerhalb von Stadtgebieten genutzt werden. Deshalb ist die Annahme plausibel, dass sich die Spanne einzelner Fahrten in den meisten Fällen zwischen 5 und 30 Kilometern bewegen dürfte, plausible Durchschnittswerte dürften daher je nach Stadtgröße bei ca. 8 bis 15 Kilometern liegen. Der Schätzwert sollte hier je nach Wissenslage und Erfahrungen durch die Initiative festgelegt werden. Um zukünftige Schätzungen zu verbessern, könnte die Nutzungsstrecke bei der Rückgabe der Räder erfragt werden.

Schließlich ist der Anteil zu schätzen, zu dem motorisierte Fahrten mit dem PKW durch die Lastenrad-Nutzung ersetzt werden (c). Falls hierzu keine eigenen Erhebungen aus Nutzerbefragungen vorliegen, empfehlen wir pauschal die Annahme, dass 50% der Lastenrad-Fahrten eine Autofahrt ersetzen. Dieser Wert ist empirisch gestützt durch eine Nutzerstudie, in der 46 % der Befragten angaben, dass sie ihre Tour mit dem Auto gemacht hätten, wenn sie kein freies Lastenrad zur Verfügung gehabt hätten.¹

Abschließend werden die ermittelten Zahlen wie folgt multipliziert:
(a) Nutzungstage aller Lastenräder * (b) durchschnittliche Wegstrecke * (c) Anteil ersetzte Autofahrten = THG-einsparende Lastenrad-Kilometer
Dieser Wert kann in den Rechner eingegeben werden.

Was ist sonst noch zu beachten?

Einige Lastenrad-Initiativen bieten auch E-Lastenräder an. Hier ist wichtig zu ermitteln, ob beim Aufladen der Batterien auf Ladestationen mit Ökostrom zurückgegriffen wird.

Der „Track it!“-Rechner legt ansonsten den durchschnittlichen deutschen Strommix an. Dadurch werden die Emissionen bei Nutzung von E-Bikes mit 0,0257 kg CO2e/km  höher angesetzt, als es bei einer Zugrundelegung von Öko-Strom der Fall wäre.²

Wie werden die Zahlen in den Rechner eingegeben?

Die Aktivitäten werden im CO2-Rechner unter dem Auswahlpunkt „Transportation of Goods“ erfasst. Zunächst müssen das entsprechende Land und Jahr eingegeben werden, anschließend erfolgt die Eingabe der Transportmodi und -entfernungen.

Gibt es ein Beispiel, an dem ich mich bei der Schätzung orientieren kann?

Wir haben die Treibhausgasminderungen im Jahr 2017 für die Lastenrad-Initiative „LASSE – Dein Lastenrad für Münster“ abgeschätzt. Folgende Daten flossen in die Schätzung ein:

  • Anzahl zu verleihender Lastenräder: 3
  • Anzahl zu verleihender E-Lastenräder: 0
  • Nutzungstage pro Jahr (alle Lastenräder): 270
  • Durchschnittliche Wegstrecke pro Nutzung: 15km (eigene Schätzung)
  • Anteil ersetzter Autofahrten: 46% (Wert aus Nutzerstudie).³

 


Quelle ¹:  dein-lastenrad.de/images/b/b2/FactSheet-Nutzerstudie_v3.pdf

Quelle ² :http://www.tess-transition.eu/wp-content/uploads/2016/09/Tool_documentation_final-1.pdf

Quelle ³: http://dein-lastenrad.de/images/b/b2/FactSheet-Nutzerstudie_v3.pdf

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