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Aktiv für eine regionale Lebensmittelversorgung

Wer sich für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln einsetzen oder die Versorgung mit regionalen und saisonalen Angeboten in seiner Stadt oder seinem Viertel vorantreiben will, findet hier Umsetzungsideen und -Tipps.

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Supermärkte sind praktisch – und praktisch überall zu finden. Aber was, wenn man lieber ganz genau wissen möchte, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert wurden? Wer bewusst regional und saisonal einkaufen, lange Transportwege vermeiden und in Kontakt mit Landwirten und lokalen Erzeugern treten will, kann dies beispielsweise direkt im Hofladen tun, den örtlichen Wochenmarkt nutzen oder eine Gemüsekiste abonnieren. Im Internetportal Landservice.de der Landwirtschaftskammer NRW finden sich Direktvermarkter aus dem gesamten Bundesland. Anbieter von Bio-Produkten aus der Region sind im Online-Einkaufsführer oekolandbau-nrw.de aufgeführt.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich in Gemeinschaft mit anderen dafür einzusetzen, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden und regionale Produkte gut verfügbar sind. Im Folgenden geben wir dazu eine Übersicht. Außerdem finden Interessierte Tipps, wie sie Mitstreiter finden und eine Informationsveranstaltung in der eigenen Nachbarschaft planen und durchführen können.

Gemeinsam Lebensmittel vor der Mülltonne retten

Überall – in Supermärkten, Bioläden, Bäckereien, auf Wochenmärkten – werden Lebensmittel weggeworfen, die noch zum Verzehr geeignet sind. Foodsharing ist eine deutschlandweite Initiative, die in vielen Städten aktiv ist und im direkten Kontakt mit dem Einzelhandel Vereinbarungen trifft, um Essbares vor der Mülltonne zu retten. Sogenannte Foodsaver holen „Reste“ bei den Betrieben ab und nutzen sie selbst oder verteilen sie kostenlos weiter. Jeder kann mitmachen.

Allgemeine Informationen zum Thema Lebensmittelretten sind zu finden unter https://foodsharing.de. Dort können sich auch Interessierte registrieren, die Lebensmittel weitergeben oder  selbst Lebensmittelretter/-in werden möchten.

Gemeinsam einkaufen

Einkaufsgemeinschaften können Einkaufskooperativen oder lokal organisierte Bauernmärkte sein. In einer Einkaufskooperative (kurz: Food-Coop) werden Lebensmittel direkt beim Landwirt oder über den Großhandel bezogen. Damit haben die Mitglieder die Kontrolle über die Herkunft der Produkte und die Produktionsweise.

Auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Lebensmittelkooperativen e.V. finden Sie Food-Coops in Ihrer Nähe oder Unterstützung zur Gründung der eigenen Kooperative. Auf der Plattform bio-food-coop.de kann man eine einfache Food-Coop sofort online anlegen und organisieren.

Lokale Bauernmärkte organisieren

„Martkschwärmereien“ sind privat organisierte Märkte, bei denen die Käufer zuvor online auswählen, was sie dann auf dem Markt direkt von den Erzeugern kaufen und abholen. Das funktioniert so: Eine Dach-Organisation bietet den Rahmen, hilft mit Erfahrungswissen zur Organisation einer lokalen „Marktschwärmerei“ weiter und stellt eine Internetplattform für die Abwicklung zur Verfügung. Eine lokale Gastgeberin oder ein lokaler Gastgeber – das heißt eine Person, die sich für die Sache vor Ort einsetzen will – stellt den Kontakt zu regionalen Erzeugern her. Einmal in der Woche kommt man zusammen.

Allgemeine Informationen zu Marktschwärmereien finden sich im Internet unter marktschwaermer.de. Dort gibt es auch alle Informationen für interessierte Gastgeber.

Einen eigenen Laden gründen

Eine Gruppe von Verbraucherinnen und Verbrauchern gründet einen Regionalladen, Betriebe aus der Region beliefern den Laden – so entsteht ein interessantes Angebot vor Ort und ein direkter Kontakt zwischen Konsumenten und Erzeugern. Es braucht einen geeigneten Raum und eine Gruppe, die den Laden aufbaut und betreibt. Bislang gibt es erfolgreiche Beispiele vor allem im ländlichen Raum. Das Konzept ist aber auch für Stadtteile gut denkbar.

Beispiele für bestehende Regionalläden: „Beroma“ in Solingen oder „Unikum – der Regionalladen“ in Altenkirchen.

Solidarische Landwirtschaft betreiben

In einer Initiative der Solidarischen Landwirtschaft (kurz: SoLaWi) werden Lebensmittel direkt bei einem Landwirt bezogen. Mitglieder zahlen nicht für jedes einzelne Lebensmittel, sondern finanzieren über einen Monatsbeitrag den Betrieb. Dafür erhält jeder einen Anteil der Ernte. Bei vielen Initiativen ist aktive Mithilfe auf dem Feld und bei der Verteilung möglich, aber keine Verpflichtung. Entscheidungen über den Einsatz von Finanzenmitteln und die Art und Weise der Produktion werden transparent oder sogar gemeinsam gefällt.

Kontaktadressen von Solidarischen Landwirtschaften finden Sie auf der Initiativenkarte des Projekts MehrWert NRW oder über das Portal „Ernte teilen“. Bei Interesse an der Gründung einer Solawi bietet das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V.
- eine Übersicht über bestehende Initiativen und
- einen Leitfaden zur Solawi-Gründung.

Tipps zur Umsetzung einer Info-Veranstaltung

Eine Informationsveranstaltung kann dabei helfen, andere Interessierte zu kennenzulernen, gemeinsame Wünsche/Ziele herauszufinden und Veränderungen in der eigenen Nachbarschaft anzustoßen. Eventuell ist es auch möglich, sich an einem bereits geplanten Straßen- oder Sommerfest oder einer anderen Veranstaltung zu beteiligen.

Zwei Ansätze sind denkbar: Zum einen kann Lebensmittelretten/-wertschätzen im Quartier zum Thema gemacht werden, zum anderen können Konzepte der Nahversorgung mit regionalen Lebensmitteln vorgestellt werden (wie z.B. SoLaWi, Food Coop, Marktschwärmerei).

1. Schritt: bereits bestehende Initiativen und mögliche Kooperationspartner recherchieren

Wo es eine Foodsharing-Gruppe, einen Gemeinschaftsgarten, eine Solidarische Landwirtschaft oder andere Initiativen gibt, zeigt die Initiativenkarte des Projekts MehrWert NRW.

Mögliche Kooperationspartner können außerdem sein

  • Umweltberatung/Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW (www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen)
  • Quartiersprojekte/Akteure im Quartier
  • Volkshochschule
  • Jugendzentrum
  • Uni/Hochschule
  • Stadt/Umweltamt
  • Lokale Agenda


2. Schritt: organisatorische Fragen klären

  • Inhalte
  • Teilnehmer/Akteure
  • Termin
  • Raum (ggf. mit Küche für Koch-Workshop)
  • Aufgabenverteilung
     

3. Schritt: Veranstaltung bekannt machen

Eingeladen werden alle Nachbarn, Bewohner der Viertels, Freunde und Bekannte sowie alle Interessierten stadtweit.
Bewerbung im Stadtteil zum Beispiel über

  • E-Mail-Verteiler sowie Internet- und Facebook-Seite von Kooperationspartnern und Initiativen
  • eigenen Facebook-Event
  • Stadtteilzeitschriften
  • Plakate und Flyer (in Geschäften, im öffentlichen Raum, bei Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden)

Stadtweit zu Beispiel über

  • Lokalzeitungen, Veranstaltungsmagazine, Online-Portale
  • Plakate/Flyer:
    - Hochschule, Uni (Asta)
    - Biomärkte
    - Beratungsstelle der Verbraucherzentrale
    - Initiativen
    - Volkshochschule

Hier gibt es Tipps für die Pressearbeit.

4. Schritt: Vorbereitung und Durchführung vor Ort, Moderation

Möglicher Ablauf einer Info-Veranstaltung zum Thema regionale Lebensmittelversorgung mit „Markt der Möglichkeiten“ 
(Dauer: 2,5 - 3 Stunden)
-    15 Minuten: Begrüßung und Einführung ins Thema (Situation vor Ort, alternative Konzepte der Nahversorgung, Fokus regionale Lebensmittel)
-    30 Minuten: „Markt-Teilnehmer“ (Initiativen) stellen sich vor (5*5 Min)
-    30 Minuten: Zeit für Fragen und Austausch in der großen Runde
-    60 Minuten: offener Austausch an den Ständen
parallel: Sammlung von Ideen, Wünschen und Fragen an Pinnwänden, zum Beispiel
o    „Das wünsche ich mir für die Nahversorgung in unserem Stadtteil“
o    „Im Moment bekomme ich meine Lebensmittel…“ (wo – räumlich- wird eingekauft, was wird eingekauft - regional, bio,… -, wo gibt es Probleme)
-    15 Minuten: Austausch im Plenum
o    Fragen, Eindrücke, Wünsche, Interessenslage: Welche Ideen sind aufgekommen? Was ist interessant für unseren Stadtteil?
o    Wie kann es weitergehen? Wer möchte sich weiter mit dem Thema beschäftigen, vielleicht aktiv werden? Folge-Treffen/Workshop als Option/Angebot
-    danach: Beisammensein eventuell mit gemeinsamen Essen (siehe dazu: Koch-Workshop)

Koch-Workshop „Kochen mit Resten“
(für Jugendliche und Erwachsene, Dauer: 2 Stunden)

Als eigene Veranstaltung oder als Ergänzung zu Information und Austausch ist ein Workshop „Kochen mit Resten“ gut geeignet. Dazu lokale Foodsharing-Gruppe, Slow Food Youth oder Solidarische Landwirtschaft ansprechen, ob sie gerettete Lebensmittel beisteuern kann, aus denen dann im Workshop etwas gekocht wird. Gerade Foodsharer oder Mitglieder von Slow Food Youth haben oft schon Erfahrungen mit sogenannten Schnippeldiskos (gemeinsam wird Gemüse „geschnippelt“ und dann verkocht) und können vielleicht sogar personell unterstützen und geeignete Räumlichkeiten nennen.

    Mögliche Rezepte für einen solchen Koch-Workshop:

    Praxisbeispiel aus dem Projekt MehrWert NRW

    Im Rahmen der Quartiersaktivitäten hat die Initiativenberatung von MehrWert NRW in Bochum-Hamme einen Kochworkshop und eine Infoveranstaltung durchgeführt. Dabei wurden folgende Erfahrungen gesammelt:

    • Die Ansprache und Koordination vieler beteiligter Akteure (Initiativen) bedeutet einen hohen Aufwand. Die Veranstaltung lebt aber von der Anwesenheit und den Beiträgen dieser Akteure, die ihre Konzepte anschaulich und persönlich vorstellen.
    • Das Interesse an dem Thema ist hoch. Besonders zur Umsetzung einer Solidarischen Landwirtschaft wurden viele Fragen gestellt. Die Besucher bewerteten die Veranstaltung als gute Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten austauschen und Ideen entwickeln zu können.
    • Die beiden „Teil-Veranstaltungen“ (Kochworkshop und Information/Austausch) ergänzten sich gut.
    • Ideal ist es, als Organisator eine Vernetzung der Besucherinnen und Besucher zum Beispiel über eine Themenwand anzuleiten.

    Weitere Informationen über den Kochworkshop und die Infoveranstaltung in Bochum-Hamme

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