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Urban Gardening in der "Klingenstadt"

Stand:
Zwei Männer und eine Frau stehen in einem Nutzgarten.
Thilo Schnor, Imker Andreas Reinemann und Doris Kudla (v. l.) am „Inka-Beet“ der „Scharfen Gärten“. Dort wachsen Mais, Bohnen und Kürbisse.
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Keine neue Gartensaison 2018 mehr in den „Scharfen Gärten“: Die Gruppe musste das Grundstück am Südpark im Winter 2017 räumen. Eine geeignete Alternativfläche konnte nicht gefunden werden. Das hat auch die Motivation der Aktiven aufgezehrt - die Initiative hat sich aufgelöst.


Die Kartoffeln sind schon geerntet. Auch die Rote Beete hat sich dank der feucht-warmen Witterung prächtig entwickelt und kann bald verarbeitet werden. Der Meerrettich liefert Schärfe für würzige Beilagen. Wobei die Initiative "Scharfe Gärten Solingen" ihren Namen nicht etwa wegen der geschmacklichen Ausrichtung des selbst gezogenen Gemüses gewählt hat. Vielmehr stellt sie damit den Bezug zur "Klingenstadt" Solingen und ihren berühmten Schneidewerkzeugen her.2012 ist das Urban-Gardening-Projekt aus dem Bündnis für Familien heraus entstanden. Schon ein Jahr später konnte das Gärtnern auf einer von der Stadt zur Zwischennutzung überlassenen Fläche im Südpark beginnen.

Die Pflanzen gedeihen in Hochbeeten, Säcken, Töpfen und anderen Gefäßen. Einen Zaun gibt es nicht – der Garten ist für jeden frei zugänglich. "Von Anfang an wollten wir aber nicht nur eine einzelne Fläche gestalten, sondern auch Kooperationen mit Kitas, Schulen und anderen Partnern eingehen", sagt Thilo Schnor, einer von drei Sprechern des Familienbündnisses und Mitinitiator des Gartenprojekts.

2012 ist das Urban-Gardening-Projekt aus dem Bündnis für Familien heraus entstanden.

Kinder und Jugendliche lernen Gärtnern und Imkern

So haben die "Scharfen Gärten" viele kleine Ableger in der Stadt entwickelt. An mehreren Schulen und Kindertagesstätten sind mit Unterstützung der Stadtgärtner Hochbeete aus Einwegpaletten entstanden. Das Holz ist unbehandelt, damit Gemüse, Kräuter und Beeren darin nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum unbedenklichen Naschen angebaut werden können. Denn Kinder und Jugendliche sollen durch die Projekte mehr über regional und ökologisch erzeugte Lebensmittel lernen und ihre Erfahrungen mit in die Familien tragen.

Besondere "Bildungsbotschafter" sind auch die Bienen der Initiative. Imker Andreas Reinemann bietet über das Netzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung (BnE) für Kitas und Schulen "Imkern auf Probe" an. Außerdem wurde ein "Bienen-Koffer" entwickelt, mit dem Themenwochen gestaltet werden können. Imkerin Fiona Flesser begleitet das Angebot.

Doch auch die Stadtgärtner selbst lernen immer weiter dazu – Gartenprofi ist keiner von ihnen. Saatgutfestivals oder auch die Angebote der Initiativenberatung im Projekt MehrWert NRW werden zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung mit anderen Engagierten genutzt. Die Gartentreffen organisiert die Gruppe über Facebook.

Garten muss bald umziehen

Aktuell steht die Initiative vor der Herausforderung, einen neuen Standort für den Garten zu finden. Denn auf dem Areal im Südpark soll gebaut werden. Wie es nach Abschluss der Gartensaison 2017 weitergeht, ist derzeit ungewiss. "Wir sind im Gespräch mit der Stadtverwaltung", sagt Doris Kudla, die seit 2016 dabei ist und die Öffentlichkeitsarbeit für die "Scharfen Gärten" übernommen hat. Die neue Fläche sollte gut mit dem Fahrrad und dem ÖPNV erreichbar sein. Außerdem sei wichtig, dass das Gartenprojekt nicht versteckt liegt, sondern sichtbar ist. Eine Wasserversorgung ist nötig, eine diebstahlsichere Aufbewahrungsmöglichkeit für Gerätschaften wäre wünschenswert.

Auch wenn stets klar war, dass die Fläche im Südpark nur zeitlich begrenzt zur Verfügung stehen würde, fällt nach vier Jahren der Abschied nicht leicht. Einige Künstler, die in den benachbarten früheren Güterhallen ihre Ateliers haben, waren von Beginn an Unterstützer des Urban Gardening. Die Gärtner konnten Wasseranschlüsse nutzen oder sich in den Räumen treffen. Die Nähe zum Radweg "Korkenziehertrasse" brachte interessierte Besucher in den Stadtgarten. "Aber wir machen weiter – notfalls auch mit einer Unterbrechung", sagt Doris Kudla. Schließlich soll auch ihre kleine Tochter sehen können, wie Erdbeeren wachsen und Kartoffeln geerntet werden.

www.scharfe-gaerten.de

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