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„K.A.R.L.“ bringt Aachen nachhaltig in Fahrt

Seit August 2016 ist das freie Lastenrad in der Kaiserstadt unterwegs. Dank eines Elektro-Unterstützungsmotors sind auch die steilen Straßen in Aachen kein Problem.

Zwei Kinder sitzen in einem Lastenrad.
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Die Braut hat sich getraut – und „Kaiserstadt Aachens Rad-Laster“, kurz „K.A.R.L.“, konnte gleich zum Start eine tolle Geschichte vorweisen. Denn anstatt Kutsche und Pferdestärken wählte ein frisch vermähltes Aachener Paar im Sommer 2016 das Lastenrad, um von der Trauung im Standesamt zum festlichen Essen im Restaurant zu kommen. Sie saß vorne auf dem montierten Sitz, er trat in die Pedale. Mit Blümchen am Rahmen und einer Schnur mit scheppernden Blechdosen hintendran wurde das Rad zum Hochzeitsgefährt.  

Rund 4000 Kilometer wurden in einem Jahr zurückgelegt

Eine besondere Fahrt, der innerhalb gut eines Jahres viele weitere gefolgt sind. Rund 4000 Kilometer hat das freie Lastenrad mittlerweile auf dem Tacho. „Es ist fast jeden Tag unterwegs“, sagt Axel Jansen, Leiter der Jugendkunstschule in der Bleiberger Fabrik. Die vom Bildungswerk Carolus Magnus getragene Einrichtung hat das Lastenrad-Projekt mit Hilfe von Unterstützern und Sponsoren auf den Weg gebracht. Das Bildungswerk bietet „K.A.R.L.“ ein Zuhause, übernimmt die Versicherung und kümmert sich um den Verleih sowie kleine Reparaturen. „Zum einen wurden wir angeregt durch die neue Lust am Teilen, zum anderen wollen wir auch Vorreiter sein für nachhaltige Mobilität in Aachen“, beschreibt Jansen die Motivation. Beispielsweise erledigen die Mitarbeiter des Bildungswerks alle innerstädtischen Termine mit geleasten E-Bikes. Der eigene Kleintransporter wurde abgeschafft. Was nicht aufs Lastenrad passt, wird mit einem Leihwagen transportiert.

Von der Idee eines freien Lastenrads bis zum Start des Verleihbetriebs dauerte es etwa eineinhalb Jahre.

Ausleihbar mit Kindersitz, Wanne oder Transportbox

Als geeigneter „Rad-Laster“ für Aachen wurde ein zweirädriges Pedelec-Cargo-Bike ausgewählt. Zur Ausstattung gehören eine Alubox, eine Plastikwanne und ein Kinder-Transportmodul samt Regenschutz. Die Stadt Aachen förderte die Anschaffung von „K.A.R.L.“ zu 75 Prozent. Die Buchung erfolgt über ein Formular im Internet, die Ausleihe ist kostenlos. Um Reparatur- und Unterhaltskosten zu decken, sind Spenden jedoch willkommen. Wenn ein sicherer Abstellplatz vorhanden ist, kann das Lastenrad auch über mehrere Tage oder übers Wochenende gebucht werden.

Test fürs Umsatteln aufs eigene Lastenrad

Bis zu 200 Kilogramm (inklusive Fahrer) können „K.A.R.L.“ aufgebürdet werden. Je nach Last, Streckenprofil und Körpereinsatz der Fahrerinnen und Fahrer reicht der Akku für etwa 100 Kilometer. „Viele Studenten und junge Familien nutzen das Rad. Die einen machen den Umzug, die anderen transportieren die Kinder von A nach B. Und für manche ist es auch ein Test, ob sie sich selbst ein Lastenrad kaufen wollen“, erzählt Axel Jansen. Auch ein selbstständiger Handwerker, dessen Auto kaputt war, hat das Lastenrad schon genutzt und Kreissäge und Holz vorne draufgepackt. Damit konnte er dann direkt zum Kunden vorfahren und sich die Parkplatzsuche sparen.

In anderen Aachener Stadtteilen gibt es ebenfalls Überlegungen, ein Lastenrad anzubieten. Gut, so Jansen, wäre ein vernetztes System, in dem sich die Verleiher abstimmen und die Angebote ergänzen. Noch aber ist „K.A.R.L.“ der einzige seiner Art. Die Bleiberger Fabrik will perspektivisch noch eine „BikeKitchen“, eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt, etablieren. Aktiv setzt sich das Bildungswerk auch für die Vernetzung und Aufwertung des „Westpark-Viertels“ ein – beispielsweise mit einem Urban-Gardening-Projekt. An einen Lastenrad-Fahrservice für Hochzeiten allerdings ist bislang nicht gedacht …

www.bleiberger.de/karl

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